Der Reitersitz: Das Thema beim ersten Feine-Hilfen-Symposium

von Jeannette Aretz

Datum: 31.08.2016


Am 10. und 11. September findet das erste Symposium des Magazins „Feine Hilfen“ in Bayern statt. Es geht dabei um den Reitersitz – vier Experten stellen ihre Ansätze vor, diesen zu schulen. Eingeladen sind Anja Beran, Dr. Thomas Ritter, Elaine Butler und Veronika Brod.

 

Pferdia tv ist dabei, um die Vorträge und Trainingseinheiten der Experten mit der Kamera festzuhalten. Organisiert und moderiert wird die Veranstaltung von Claudia Weingand, der Chefredakteurin von Feine Hilfen. Im Interview verrät Sie, was die Zuschauer der Veranstaltung so erwartet.

 

  

Claudia Weingand, Sie haben drei Reitausbilder und eine Tanzpädagogin eingeladen. Was ist das Ziel dieser Kombination?

 

Reiten ist generell oft mit Lehren verknüpft, die fast religiös verteidigt werden. Ich wünsche mir stattdessen für das Feine-Hilfen-Symposium einen Austausch, verschiedene Sichtweisen auf das Thema Sitz.

 

Wie muss man sich das genauer vorstellen? Im Programm (hier) sieht man, dass jeder der Experten einen Vortrag hält und dann praktisch arbeitet, über zwei Tage hinweg.

 

Genau. Ich möchte gern von den Dozenten hören und in der Praxis bei deren Schülern sehen, welche Auswirkung der Sitz auf die Pferde hat. Ich bin auch auf kontrovers diskutierte Themen neugierig. Zum Beispiel, wo der Reiter das Gewicht beim Schulterherein hin verlagern soll. Die einen sagen ja nach außen, die anderen nach innen. Das sehen wir mal in der Praxis und ich bin gespannt, welcher Ausbilder für welche Sitzweise plädiert. 

 

pferdiathekAnja Beran zeigt, wie der optimale Reitersitz aussehen könnte. Foto: Maresa Mader

 

 

Oh, Streitthemen?

Nun, ich hoffe, dass sich bei uns niemand die Köpfe einschlägt! Mir geht es nicht darum, eine heiße Diskussion vom Zaun zu brechen. Ich wünsch mir mehr Toleranz beim Reiten und unter anderen Reitweisen. Genau dass soll das Symposium auch unterstützen: eine ordentliche Diskussion. Ich schätze alle eingeladenen Ausbilder so ein, dass es zu einem guten Austausch kommt. Bin selbst sehr gespannt, was sie zu erzählen haben. Auch wenn ich es moderiere, möchte ich da gern mit offenem Geist hinsehen und nicht zuvor Leute in Schubladen stecken. 

 

Auf welchen Pferden wird der praktische Teil denn gezeigt?

Anja Beran hat ja ihre Pferde vor Ort, ihre Bereiter und Schüler von ihr werden reiten und den annähernd perfekten Sitz, aber auch zum Beispiel Sitzfehler demonstrieren. Dr. Thomas Ritter und Elaine Butler bringen jeweils eine Schülerin mit. Ich bin auch gespannt, welche der Sachen, die gelehrt und verbreitet werden, tatsächlich bei jedem Pferd funktionieren.  

 

Es gibt auch einen Teil mit Videoanalysen. 

Ja, Elaine Butler filmt die Einheiten mit ihrer Schülerin, und danach zeigt sie mit dem Videomaterial eine Sitzanalyse. Im Anschluss zeigt sie ihrer Schülerin Bewegungsübungen ohne Pferd zu deren Sitzproblematiken. Dr. Thomas Ritter hat einen anderen Ansatz, er arbeitet mit einer Schülerin ausschließlich im Sattel. Den Titel seines Vortrags finde ich übrigens super: „Reiten Sie Prinzipien oder reiten Sie ihr Pferd“ heißt er. Das passt zum ganzen Symposium.

 

 

pferdia tv Elaine Butler unterrichtet nach dem Mary-Wanless-Sitzschulungssystem. Foto: Fotokinga
pferdia tv Dr. Thomas Ritter hält nichts von Paradigmen bezüglich des Reitersitzes.

 

Was kann der Zuschauer an diesen zwei Tagen denn lernen?

Auf jeden Fall selbstständig Denken! Man sieht verschiedene Ansätze und auch Grundsätze zum guten Reitersitz. Wir schauen, was alle Ausbildungen vereint, und welche Lösungvorschläge bei häufigen Sitzfehlern gemacht werden. Die Zuschauer sollen mit einem erweitertem Blick auf den Sitz nach Hause kommen. Vielleicht schauen Sie danach Lehrbücher kritischer an, oder sehen ihre eigenen Reitschüler mit anderen Augen an und integrieren Ansätze in den Unterricht, die zuvor noch nicht da waren. 

 

Im Programm stehen auch die Punkte „Diskussion“ und „Turnen“. Heißt das, alle Zuschauer kommen mit der Turnmatte zu Ihnen?

(Lacht) Nein, das sind Übungen, die man im Stand machen kann. Das finde ich auch viel sinnvoller, eben Sachen, die man mal eben beim Putzen des Pferdes tun kann. Reiter sind ja relativ übungsfaul. Diskutieren werden die Ausbilder miteinander, aber Fragen aus dem Publikum sind später auch möglich.

 

 

 

pferdia tv Anja Beran, auf ihrer Anlage findet das Symposium statt.
pferdia tv Veronika Brods Ansätze kommen aus der Tanzlehre. Fotos: M. Mader

 

Außerdem ist noch Veronika Brod als Expertin vor Ort. Können Sie sie uns näher vorstellen?

Veronika Brod ist Tanzpädagogin, und Dressurausbilderin Anja Beran tanzt bei ihr. Durch den Tanz hat Anja Beran ganz neue Ansätze fürs Reiten bekommen, und bildet sich auf diese Weise auch weiter, hat sie mir erzählt. Gemeinsam beschäftigen sie sich mit der Verbesserung des Reitersitzes. MVeronik Brod unterstützt Anja Beran mittlerweile auch bei Sitzschulungen ihrer Schüler. Die Verbindung Tanzen und Reiten finde ich ganz spannend. Frau Brod ist übrigens auch Physiotherapeutin. 

 

Richtet sich das Symposium vor allem auch an Lehrende?

Auch, wir haben viele Zuschauerbuchungen von Ausbildern aber auch von Privatreitern. Ich sag’ gern, es ist: „Für alle, die mehr wollen als nur oben bleiben!“ Für alle, die wissen wollen: wie unterstütze ich mein Pferd mit dem Sitz, wie kann ich mein Pferd mit meinem Sitz die Arbeit erleichtern. Für Leute, die sich diese Fragen stellen, dürfte das eine spannende Geschichte sein. 

 

Was soll in den zwei Tagen passieren, damit Sie den Eindruck haben: Das war gut?

Wenn jeder mit mindestens einem neuen Eindruck nach Hause geht, bin ich zufrieden.

 

DIE FAKTEN ZUM FEINE-HILFEN-SYMPOSIUM: 

10. und 11. September

Gut Rosenhof

(Reitanlage von Anja Beran in 87651 Bidingen)

200 Zuschauerplätze, es sind noch wenige Karten verkäuflich

Tageskarte 70 Euro, Zweitageskarte 120 Euro

Studenten 60 Euro bzw. 100 Euro

Website: HIER

  

DressurReiten ohne Druck und Zwang, FN-Verlag


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