Ein Weidezelt für Frauenhände - wie wir fast ohne Komplikationen einen Unterstand aufbauten

von Jeannette Aretz

Datum: 16.07.2017


 pferdiathek a life with horsesSo stabil, dass es auch als Klettergerüst durchgehen würde: Wir mitten im Aufbau von unserem Megazelt.  

 

Als ich meine Weide eingezäunt habe, habe ich alles frauenfreundlich eingerichtet. Richtig, nicht nur pferdefreundlich, sondern frauenfreundlich. Mehr Köpfchen als Muskelkraft ist nötig.

Ich kann die Weidepfähle einsetzen und herausheben, ganz alleine. Die sind nämlich aus T-Pfosten, diesen Eisenstangen, die man mit einem Hebel herausholen kann und mit einer Ramme tatsächlich allein einschlagen kann. Das Wasser läuft mit dem Schlauch aus einem Container in eine Wanne, ich muss nichts schleppen.

Genauso einfach sollte auch das Weidezelt sein.

Also kaufte ich eins, zu dem es einen Werbefilm gibt, in dem der Aufbau gezeigt wird. Zwei Männer, wenige Minuten, und es steht. Alles easy.

Außerdem sollte es viel stabiler sein als die der Konkurrenz. Ich kaufte direkt die große Variante, wer weiß, wie viele Pferde das Ding einmal brauchen werden, wer weiß, was in ein, zwei, drei Jahren ist.

 

Als mir das erste Mal mulmig zumute wurde

Sechs Meter Breitseite.

Gerade als ich es bestellt hatte, sah ich das Ding in echt zum ersten Mal auf einem anderen Hof. Meine Güte, sechs Meter ist ganz schön lang, dachte ich da. Und ich dachte an die drei Zwerge, die da auf unseren Weiden rumliefen. Zweijährige Jungstuten. Ein Loft als Unterstand, quasi. Das war das erste Mal, dass ich mir nicht mehr so ganz sicher war, ob das eine gute Idee von mir gewesen ist, mit diesem besonders stabilen und besonders großen Zelt.

Als das Zelt geliefert wurde, dachte ich: gar nicht sooo viel Zeug. Ein kleines Paket mit der Zeltplane drin (schwer!), ein großes mit den Stangen. Die Panels waren das Eindrücklichste an der ganzen Lieferung. Sah machbar aus.

Ich guckte mir noch mal den Aufbau-Film an, und war frohen Mutes. Wir machten uns zu drei Frauen und zwei Kindern an den Aufbau. Ich meine – wenn in dem Werbefilm zwei Männer ein Zelt aufbauen, müssten wir es in der Besetzung doch auf jeden Fall schaffen, oder?

Als erstes musste man das Dach komplett zusammensetzen, danach wurde das Dach bespannt mit der Plane, und dann sollte das Dach auf die Stelzen gesetzt werden. Ganz zum Schluss sollten erst die Panels hinein.

 

Wie ein überdimensionales Puzzle

Das mit dem Dach ging flott. Ein bisschen wie ein überdimensionales Puzzle. Doch als es da halbfertig lag, wurde uns nach und nach klar: Das sieht schwer aus. Sehr schwer. Also verlegten wir unseren Aufbauort von vor der Weide auf die Weide. Genau an die Stelle, wo es später stehen sollte.

Die Kinder turnten an den Stangen herum, die gut einen Meter über der Weide das halbfertige Dach bildeten. Das hielten die Stangen mit Leichtigkeit aus. Wertarbeit eben. Wir legten die Querverbinder-Platten hinein, alles war so richtig schön massiv.

Eine dicke Schneedecke wird für das Zelt hier kein Problem sein, dachte ich noch.

Als wir das fertig hatten, kam die Plane drüber. Auch kein Kunststück. Aber dann. Sechs Pfeiler brauchten jeweils eine Stelze. Man sollte also das Dach hochhieven, und dann den Pfosten druntersetzen.

 

Was man im Werbefilm nicht sah

Ich spulte das Werbefilmchen noch mal auf meinem Mobiltelfon ab. Da war ein Schnitt, an der Stelle, wo man eigentlich sehen musste, wie sie das hochbocken, das Dach. Und warum hatten die nur vier Stelzen?

Wir versuchten es anzuheben.

Nichts bewegte sich.

Das Filmzelt vier Stelzen – unseres sechs Stelzen.

Ratter.

Natürlich, das war das kleine Zelt. Ich hatte das Große bestellt.

Kein Stückchen bewegte es sich, obwohl alle nach Kräften drückten.

Dann guckten wir auf die Packung. Dieses Dach alleine wog mehr als 300 Kilo.

Keine Chance.

 

Die Rettung

Gerettet hat uns dann die schiere Muskelkraft unserer zahlreichen Nachbars-Familie. An jedem Pfosten ein Mensch, zwei Menschen extra, die jeweils einen Pfosten einfädelten. Alle ächzten, allen rann der Schweiß. Mehr als 50 Kilo für jeden, die über Kopf gehalten werden musste. Es dauerte, alle ächzten noch mehr, die Einfädler beeilten sich.

Das sah man nicht im Werbefilm.

Dann stand es. Das schöne, große, stabile Zelt.

 

Die Pferdchen missachteten es übrigens wochenlang. Eine mag es immer noch nicht. Zwei stellen sich gnädig schon mal rein. Manchmal auch bei Regen.

  

P.S.: Sucht jemand ein sehr stabiles Weidezelt? Ich hätte da eins. Ich habe nämlich keine Ahnung, wie ich das von Weide A nach Weide B bekommen soll. Zwei Kleine wären mir doch lieber. Welche, die sich für Frauen eigenen, oder die man einfach mit dem Traktor versetzen kann. Falls es keiner will, wird es einfach an dieser Stelle stehen bleiben. Ewig.

 

 

*************

Am Wochenende gibt's im pferdiathek-Magazin immer einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Zur Einstimmung ins Wochenende spreche ich, Jeannette, hier oft über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

Ein entspanntes, wunderbares Wochenende wünscht das gesamte pferdia tv-Team! Tipp: Unsere Filme schauen sich besonders gut mit viel Muße am Wochenende. Haben wir mehrfach getestet und für hervorragend befunden!

 

 

   

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