Was Du tun kannst, damit sich im Sport etwas ändert

von Jeannette Aretz

Datum: 06.08.2017


 pferdiathek a life with horsesFür Blitzleser: Macht mit bei der Initiative #BetterHorsesport, wenn Du Dir einen saubereren, faireren Reitsport wünschst! 

 

Mir wurde Angst und Bange. Als ich die Kommentare auf facebook unter dem WDR-Beitrag von Quarks & Co las, dachte ich nur: Shit. So viele Leute schrieben, dass Reiten oder Dressurreiten Tierquälerei wäre. Es war der Beitrag, der Missständnisse beim Abreiten anprangerte.

 

Eine Woche später genau die gleiche Situation, wieder Kommentare, die Reiter zuhauf als Tierquäler bezeichneten. Nur diesmal waren es Reaktionen auf einen Text in der Süddeutschen Zeitung. Berichtet wurde über das Anliegen, die Blood Rule aufzuweichen, also vielleicht doch unter gewissen Umständen Paare nicht zu disqualifizieren, wenn Blut am Pferd sei. Parallel dazu war gerade ein PETA-Artikel im Umlauf, dass der CHIO Aachen Tierquälerei wäre. Diesen Beitrag likte eine Freundin von mir. Ich sage das, weil ich meine Freunde für tendenziell klug halte. Offensichtlich schafft PETA es, auch kluge Leute anzusprechen.

 

Nie zuvor habe ich das Gefühl gehabt, dass die öffentliche Meinung so kippt, und die Reitszene so sehr in Gefahr ist.

 

Mit schöner Regelmäßigkeit hat sich der Pferdesport in den letzten Jahrzehnten einen Skandal nach dem anderen geleistet. Da war der Barr-Skandal, die Grunsven-Rollkur-Ära, eine Distanz-WM mit grausamen Szenen. Doch nie wurden alle Reiter so schnell in die gleiche Schublade namens Tierquäler gesteckt. Das passiert erst jetzt. Wo der Reitsport durch die schöne Skandal-Regelmäßigkeit alle paar Jahre sich selbst ein Beet dafür bereitet hat.

 

Schwierige Zeiten für Normalo-Reiter

Zugleich ist die Situation heute sowieso schwieriger für alle Pferdehalter, als sie es vor zehn oder 20 Jahren war. Wir haben aktuell Diskussionen um Pferdesteuern, bangen um Landgestüte, den Vereinen fehlt der Nachwuchs – oder der Nachwuchs mit Zeit –, und es wird immer schwieriger für Züchter.

Und was passiert im Sport, da ganz oben, wo auch die Nichtreiter-Öffentlichkeit hinguckt? Da wird ein Antrag gestellt, ob man die Blood Rule kippen könnte. Na herzlichen Glückwunsch. Blut im Viereck oder Stadion. Ganz geschickt. Oder: Es wird rumgezerrt im Maul, so dolle, dass jedem Laien auffällt, dass das wohl wenig harmonisch ergo tierfreundlich ist (Bezüglich des WDR-Beitrags: Guckt Euch die Langversion an, wenn ihr bisher anderer Meinung wart, fällt schwer, da noch zu sagen, dass das alles an den Haaren herbeigezogen sei).

Es ist aber auch völlig egal, ob es nun dieses Video ist oder irgendein anderes in der Zukunft: Tatsache ist, auf Abreiteplätzen wird auch, und ich sage bewusst auch, unschön abgeritten. Das ist nicht zu bestreiten.

Wer etwas anderes behauptet, ist betriebsblind oder lügt.

 

Ein Lehrstück, wie sich der Sport selbst ins Abseits befördert - und alle Reiter in Verruf bringt

Was da gerade passiert, ist ein Lehrstück, wie sich ein Sport selbst ins Abseits befördert, ohne es zu merken. Und es geht um viel:

 

Wenn der Spitzen-Reitsport die öffentliche Akzeptanz von Reiten und Pferdehaltung verspielt, haben wir, alle Pferdeliebhaber, ein echtes Problem.

 

Also was tun?

Spontan setzte ich einen Video-Kommentar auf facebook. Er wurde zigfach geteilt und von mehr als 70.000 Leuten angesehen. Darin sagte ich all das, was da oben steht, inklusive dem Aufruf, mal besser nachzudenken, wen man bejubelt – Beispiel Millioneneinkäufe auf Hengstschauen von zwielichtigen Personen.

Daraufhin entstand der Hashtag #BetterHorsesport. Einfach, um der Mehrheit, den Normalo-Reitern, uns, eine Stimme zu geben. Um sagen zu können: Wir wollen einen pferdefreundlichen und fairen Sport – denn Ihr Spitzensportler seid unser Gesicht in der Nichtreiter-Öffentlichkeit! Es geht darum, sichtbar zu werden als große Mehrheit. 

 

Selbst Flagge zeigen

Genau das ist der Punkt, an dem ihr alle ansetzen könnt. Wer von Euch ebenso die Nase auch voll hat von schlechten Bildern aus dem Sport – nutzt den #BetterHorsesport um eure Beiträge, egal ob Foto oder Text oder Video, damit auf facebook oder instagram zu markieren. Äußert Wünsche an den Sport, erzählt, was ihr daran liebt und was ihr geändert haben möchtet. Sicherlich: Es ist ein Anfang. Aber wenn wir Reiter schweigen, dann können wir uns auch nicht beklagen, wenn wir irgendwann die gesellschaftliche Toleranz, Akzeptanz oder sogar Unterstützung für diese wunderbare Leidenschaft verspielt haben.

Macht mit! Werdet laut und wahrnehmbar!

P.S.: Und ja, das ist nur ein Puzzlestein. Ausbildung und Augenschule von der Basis an aufwärts gehört auch dazu. Aber darum kümmern wir uns hier bei pferdia ständig - aus gutem Grund! Diesmal geht es um den Blick über den Tellerrand. 

 

ALLE INFOS ZUR INITIATIVE #BETTERHORSESPORT HIER:

Was soll sich denn ändern?

Unsere Meinung soll sichtbar werden! Wir wollen einen fairen Pferdesport, einen harmonischen, tierfreundlichen, der uns als Pferdemenschen wiederspiegelt. Jeder Reitsportler, jeder Pferdemensch, der den Gedanken teilen kann, kann das ganz simpel äußern, wenn er den Hashtag #BetterHorsesport nutzt. Um Fotos zu kennzeichnen, um Meinungen zu äußern. Wir Reiter und Pferdehalter sind Millionen! Lasst uns das zeigen – und so für guten Sport einstehen.

 

Was die Initiative NICHT ist!

Achtung: #BetterHorsesport soll keine Brandmarkung für schlechtes Reiten werden! Markiert also bitte nicht die gruseligsten Ritte und Fotos damit! Wir möchten klar machen, dass wir mehr gute Bilder wollen und natürlich auch weniger Toleranz für schlechtes Reiten. Genau deshalb soll #BetterHorsesport zeigen, was es Gutes gibt und das in den Mittelpunkt rücken.

 

Was kannst Du mit #BetterHorsesport posten?

Wünsche an den Turniersport, gute Ritte, gute Fotoaufnahmen von fein gerittenen Pferden. Wir möchten Sichtbarkeit für guten Sport generieren. Wenn Du die Idee gut findest, dann poste Deine Pferdebilder oder –texte mit #BetterHorsesport. Damit trittst Du für diese Idee ein setzt schon ein Zeichen!

 

Was ich selbst mit #BetterHorsesport posten werde:

Auf der A LIFE WITH HORSES facebook-Seite wird es donnerstags stets einen Wunsch an den Turniersport geben, den ich mit dem Hashtag #BetterHorsesport kennzeichne. Der erste lautet: „Ich bin Reiter und kein Tierquäler! … und deshalb möchte ich, dass im Pferdesport ausschließlich fair und tierfreundlich geritten wird!“ Jede Woche werde ichi eine neue Forderung, oder einen neuen Wunsch für einen besseren Sport formulieren. Dieses erste Zitat werden wir ebenso immer mal wieder ins Gedächtnis bringen und noch mal posten, denn es ist die Essenz.

 

Macht gern mit! Das ist so etwas wie eine Mahnwache: Donnerstags im Netz daran erinnern, wie es denn sein sollte, eigentlich.

 

 

 

*************

Am Wochenende gibt's im pferdiathek-Magazin immer einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Zur Einstimmung ins Wochenende spreche ich, Jeannette, hier oft über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

Ein entspanntes, wunderbares Wochenende wünscht das gesamte pferdia tv-Team! Tipp: Unsere Filme schauen sich besonders gut mit viel Muße am Wochenende. Haben wir mehrfach getestet und für hervorragend befunden!

 

 

   

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