Der neue Reiterhund

von Jeannette Aretz

Datum: 17.12.2017


pferdia a life with horses

Pia aka Hündchen auf dem Weg in unser gemeinsames Leben. Foto: Klara Freitag

 

Es wird Zeit, dass ich Euch mal meine neue Hündin genauer vorstelle! Für alle, die noch nicht so lange dabei sind: Ich hatte bis vor etwas mehr als einem Jahr eine Dalmatinerhündin, meine Nike. Sie hat mich vom Studium bis zum Mamawerden begleitet, und es war wirklich hart, sie gehen zu lassen. Doch sie konnte einfach nicht mehr, ich musste sie schließlich einschläfern lassen. Danach hatte ich das Gefühl: Kein Hund der Welt wird jemals an diesen heranreichen. Ich kann einfach keinen mehr haben, weil Nike und ich, das war einfach etwas, das bekommt man ein Mal im Leben (Ihr könnt sie  HIER sehen und auch über sie und mich und unsere wilden Jahre lesen, falls Ihr den Text „Das Mädchen mit dem Dalmatiner“ noch nicht kennt.)

Damals sagte mir Philippa, die schon mehrere Hunde in ihrem Leben hatte: Nochmal so lieben geht, sie sind eben nur anders. Ich konnte mir das nicht vorstellen.

 

Schon im Winter nach Nikes Tod dachte ich: Ich vermisse das Tapsen um mich herum. Ich hätte so gern wieder einen Hund im Haus, aber bereit für einen eigenen bin ich definitiv nicht. So kam es, dass ich einen Pflegehund – auch Dalmatiner – aufnahm. Und diese junge Hündin namens Dana kam mit Wucht in unser Haus. Ich hatte den Eindruck, sie habe noch nie mit Menschen gewohnt. Vielleicht war das auch so, da sie aus dem Tierschutz kam, war ihre Vergangenheit nicht klar. Sie sprang daheim auf den Esstisch und die Sideboards, riss Bilder von der Wand, ließ Pipi laufen wenn es ihr gerade danach war und war einfach ein entzückender, aber gänzlich wilder Wirbelwind.

Also übten wir. Loben für jedes ruhige Ablegen im Haus, viel draußen sein und Energie loswerden. Draußen war es im übrigen von Anfang an sehr einfach. Ich konnte sie nach zwei Wochen ableinen und sie hörte hervorragend. Ich mach’s kurz: In dieser Zeit habe ich gemerkt, was ich doch alles durch Nike hundetechnisch gelernt habe. Sie wurde innerhalb von ungefähr sechs Wochen zu einem Hund, den man auch mal mit ins Restaurant nehmen konnte, ohne dass er auffiel oder gar die Einrichtung demolierte. An dem Tag, als mein Pferd Fee starb, wurde sie abgeholt (ja, ich hatte da eine richtig beschissene Zeit. Wer gerade mal ordentlich ins Taschentuch schnäuzen möchte: Fees Abschiedstext ‚Lauf, Fee, Lauf‘ steht HIER).

 

DAS PERFEKTE ZUHAUSE –
ABER GEHEN LASSEN IST DENNOCH NICHT MEINS

Wir, also der Verein SOS Dalmatiner und ich, haben Dana hervorragend vermittelt, sie hat das perfekte Zuhause gefunden. Bei Menschen, die sich auf sie konzentrieren und drei Stunden am Tag durch den Wald spazieren. Das passte viel besser zu Dana, als wir mit unserem vollen Familien- und Pferdekalender. Wo der Hund zwar überall mit darf, aber dennoch eben ein Teil des Puzzles ist, nicht das Zentrum. Hart war es dennoch, Dana gehen zu lassen. Einmal einen Pflegehund haben war schön – und genug, das war meine Konsequenz.

Nie mehr ein Hund, der nicht bleiben wird.

Im Sommer irgendwann, als ich wieder mal Dalmatiner im Netz stalkte (wieder bei SOS Dalmatiner, die ich sehr empfehlen kann), sah ich ein Bild von einer Hündin, das mir sofort gefiel. Ich saß auf dem Sofa, vom Bildschirm her schauten mich große runde Hundeaugen an, sehr direkt, gleichzeitig selbstbewusst und lieb. Ich zeigte das Bild meinem Mann, und der sagte nur: „Der passt zu uns.“

 

NACHTS IM REGEN IM GEWERBEGEBIET

Sie sah etwas dick aus, wie eine kleine, runde Murmel, eine Madame. Ein paar Wochen später stand ich mit meiner Freundin Merlyn auf dem Hinterhof einer Fabrik. Nachts. Im Regen. Knapp hinter einer Autobahn. Mit zehn anderen Leuten, die Leinen in der Hand hatten, aber keinen Hund. Das war sehr seltsam, so seltsam, dass ein Security-Mann irgendwann her spazierte, und fragte, was wir denn da vorhätten. Minuten später kam ein Transporter angefahren, bis oben voller Hundeboxen. Es regnete, eine Frau rief Hundenamen von einer Liste auf, trug mit das kleine dicke Hündchen in den Kofferraum, wünschte ihr ein schönes Leben – und ab diesem Moment hatte ich wieder einen Hund.

 

ALS OB SIE SCHON IMMER DA GEWESEN WÄRE

Nun erlebten wir das Gegenteil von unserem Pflegehund. Dieser hier machte einfach sehr viel sofort richtig. So, als ob sie schon immer bei uns gewesen wäre. Sie ging am zweiten Tag mit ins Büro, sie ging an der lockeren Leine, war freundlich zu jedem Menschen und jedem Hund, verstand sofort, wo sie denn hin durfte im Haus und wo nicht.

 

Sie hat die größten treuesten Hundeaugen der Welt und einen entwaffnenden Charme. Ich weiß nicht, wie sie es schafft, aber sie hat eine meiner härtesten Hunderegeln aufgeweicht: Hunde dürfen nicht aufs Sofa. Galt bei uns immer schon. Doch diese hier, die zwinkert Dich an und drückt ihren Kopf an Dich und man hat den Eindruck, sie möchte am liebsten ein Schoßhund sein und in dich reinkriechen. Das mit dem Sofa hat sie so sehr schnell hinbekommen. Wenn man mit ihr schimpft, dann macht sie sofort, was man denn wollte, und kneift gleichzeitig ihre Augen zu einem Zwinkern zusammen. Sie wedelt dabei flach mit dem Schwanz, klappt die Ohren ab und es sieht aus, als ob sie sagen wollte: „Ooooch, das war doch alles gar nicht so gemeint, weißt Du doch, wir sind doch beste Freundinnen!“

Nur wie sie heißen soll, das war lange ein Rätsel für uns. Pummelig, wie sie anfangs war, kamen mir erst Namen wie „Hummel“ oder „Robbe“ in den Sinn. Als sie dann schlank wurde (eine ganze menschliche Faust passt inzwischen in die Geschirreinstellung, die sie anfangs hatte, so viel hat sie abgenommen!) und auf einmal auch gern flitzte, statt zu schlendern, passte das irgendwie nicht mehr. Ihr Tierschutz-Name „Dalma“ als Abkürzung für Dalmatiner ging gar nicht.

 

HÜNDCHEN. DAS PASST.

Da es so lange dauerte mit dem Namen und uns, hörte sie irgendwann nur auf Pfeifen und auf ihren Kosenamen ‚Hündchen’. Sie ist nämlich sehr klein für einen Dalmatiner, und auch stämmiger. Vielleicht ist ein Beagle noch mit drin? Wenn sie ihren Kopf hebt und mit grollend-brummiger Stimme beginnt zu singen wie so ein Meutehund, denke ich, das könnte hinkommen.

 

Ich hätte übrigens gern schon mal häufiger Bilder von ihr auf Instagram gezeigt. Nur ist es für mich fast unmöglich, sie zu fotografieren. Sobald ich mich auf ihre Höhe begebe, kommt sie angelaufen und möchte mir ihre Schnauze ins Gesicht drücken.

 

Das macht sie mit jedem Menschen, von Anfang an. Menschen sind zum Liebhaben und Küssen da, das scheint für sie glasklar zu sein. Ich habe also relativ viele Bilder mit einer großen, nahen Hundenase drauf. Oder von mir und einem Hundekopf, der sich in meinen Pulli drückt. Portraitbilder gibt’s nur, wenn sie gerade schläft (mehr gute Bilder von ihr hat Klara gemacht, die könnt Ihr hier auf dem Blog direkt sehen).

 

WEIL IHR MEINE PEINLICHEN ALLTAGSGESCHICHTEN SO LIEBT…
HIER IST NOCH EINE!

Nur das mit der Namenssuche, das zog sich. Irgendwann hieß sie eben „Hündchen“ für uns. Für uns passte das wunderbar, weil sie so schmusig und süß und klein ist. Einen Nachteil hat sie vielleicht. Sie ist recht eigenständig. Normalerweise nutzt sie das nicht aus, aber es gibt diese Ausnahmen. Wie den Moment, als sie mir im Park abhaute (Sie würde sagen: „Ach, bin ja nur mal vorgegangen!“), um die Abkürzung ins Büro zu nehmen, quer über eine Straße, und ich ihr hinterher lief, wegen dem Laufen nicht pfeifen konnte, und stattdessen „HÜÜÜÜÜÜNDCHENNNN!“ rief, mitten in der Stadt, „HÜÜÜÜÜÜNDCHENNNN!“, wie eine Idiotin, da dachte ich: Neee, wir brauchen doch noch einen anderen Namen. (Das habe ich jetzt extra für meine Leser, die die peinlichen Momente des Lebens hier so schätzen im Blog, hereingeschrieben. Tatsächlich: True story. Again.)

 

Jetzt heißt sie Pia. In Erinnerung an eine frühere Freundin, die auch so klein, quirlig, klug und irgendwie heile war. So ist nämlich auch Hündchen.

 

Ich kann das nicht mit Nike vergleichen. Ich wünschte mir, die beiden würden sich kennen. Manche Erinnerungen an Nike verblassen, ich kann dann nicht mehr unterscheiden, wer von beiden denn den Kopf auf diese oder jene Art und Weise hielt. Das gefällt mir gar nicht.

Ich weiß jedoch: Das ist ein wahnsinnig liebenswerter Hund, und ich bin so froh, dass sie jetzt mit uns lebt. Es ist nicht mehr so sehr mein Hund, wie Nike das war.Weil ich nicht mehr alleine bin, sondern wir eine Familie sind, in die dieser Hund gekommen ist. Aber es ist ein Hund, der sehr viel Liebe gibt und hier sehr geliebt wird.

  

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