Was 'gutes Reiten' meint

von Jeannette Aretz

Datum: 18.02.2018


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Was macht ihn aus, den guten Reiter? Und ab wann ist man einer?   Foto: Klara Freitag

 

Weshalb der Reitersitz auch nach Jahren im Sattel immer noch der zentrale Punkt ist, um etwas zu verbessern. Und wo gutes Reiten anfängt, und bei welchen Zielvorstellungen es aufhört. 

 

„Gutes Reiten ist der beste Tierschutz.“ Diesen Satz habe ich letzte Woche auf der facebookseite meines Blogs gepostet. Einer der Sprüche, mit denen ich donnerstags auf die #betterhorsesport-Aktion aufmerksam mache. Darunter stand: „... und deshalb sollte sich jeder, Ritt für Ritt, darum bemühen.“

 

Diesmal folgte auf den Spruch eine Diskussion auf facebook, warum der Reitersitz das Essentielle sein muss, warum er gutes Reiten erst möglich macht (vor allem in der Gruppe 'Dressurpassion'). Vielmehr war es ein allgemeines Nicken, eine Mahnung, ein Aufruf, sich darum zu kümmern, weil der Baustein Sitz einfach Auswirkungen auf das gesamte Reiten hat. Und das ein Reiterleben lang, so dass man an dieser Stellschraube immer wieder drehen kann.

 

Dabei schoss mir durch den Kopf: „Was meint denn dieser Wille zu gutem Reiten überhaupt?“ Jeder will ja gut und besser Reiten, kein Mensch entscheidet sich freiwillig dafür, beschissen auf dem Pferd zu sitzen.

 

Vielleicht reiten manche rücksichtslos dem Pferd gegenüber, ja. Gedankenlos auch. Blind, den eigenen Baustellen gegenüber. Nach Jahren im Sattel noch mal an die ganz essentiellen Dinge heranzugehen wie zum Beispiel "Technik des Leichttrabens" verlangt schon echte Bereitschaft, vermeintlich Selbstverständliches zu hinterfragen. Aber dass im Allgemeinen willentlich schlecht geritten wird, nach dem Motto 'hauptsache der Gaul läuft irgendwie' – das glaube ich nicht.

 

Also: Was meint „gut reiten wollen“ denn bitteschön? Für jeden, daheim?

 

 

Meine Antwort lautet: Immer besser werden wollen. Sich nicht zu früh zufrieden geben. Sich nie zufrieden geben.

 

 

Aber nicht in höher-weiter-Kategorien, sondern in qualitativen Ansprüchen: noch harmonischer reiten, noch mehr mitgehen können, noch genauer die eigenen Schultern, Hüften, Extremitäten unter Kontrolle haben, eine noch ruhigere Hand bekommen.

 

Das eigene Tun immer wieder hinterfragen. Nicht so sehr, dass sich alle Regeln und Standarte auflösen, denn dann bleibt nur noch Wabern.

 

Aber immer wieder mal zurücktreten und nachdenken, was man da tut.

 

Dem Pferd ins Auge schauen können. Und nicht der beruhigenden Wirkung von Likes, Bandenzuschauern, bewundernden Blicken, Turniernoten oder Publikum vertrauen.

 

Letztlich ist es nämlich nur das: Du und Dein Pferd. Kannst Du vor ihm bestehen? Vor Dir selbst?

 

Dann ist der Weg gut.

 

Wenn dann am Rande dieses Weges Likes, gute Noten und Applaus vorbeiziehen, dann ist das schön und sicher etwas, das man genießen kann. Doch das zum alleinigen Ziel zu machen, kann einen vom Ziel, immer besser zu reiten, und damit auch immer pferdefreundlicher, abbringen. Hat was mit Eitelkeit zu tun. Und mit vermeintlichen Abkürzungen, die dann letztlich doch Umwege sind. 

 

 

*************

Einmal die Woche gibt's hier im pferdia-Magazin einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Hier spreche ich, Jeannette, über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

 

 

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