Chris Bartle: Wie Du sicher im Sattel bleibst (egal, was passiert!)

von Jeannette Aretz

Datum: 29.03.2018


 pferdia Chris Bartle  Chris Bartle, Vielseitigkeitstrainer mit weltweitem, hervorragendem Ruf. Fotos: Inge Vogel  

 

Sicher oben bleiben, egal, was passiert! Den richtigen Sitz für schwierige Situationen erklärt Dir Vielseitigkeitstrainer Chris Bartle. Lerne außerdem, wie Du mit Deinem Körper am effektivesten auf Dein Pferd einwirkst und was Du dafür beachten musst. 

 

Ganz frisch auf pferdia.de haben wir einen den großen neuen Film  von Chris Bartle hochgeladen. Wir sind begeistert und deshalb möchten wir Dir unbedingt erzählen, was der brititsche Vielseitigkeits-Nationaltrainer Dir für Dein Reiten vermitteln kann!

 

Es ist ein richtig großes Werk geworden, satte 70 Minuten kannst Du von ihm pferdia.de lernen. Natürlich ist er besonders für Gelände- und Vielseitigkeitsreiter spannend. Chris Bartle analysiert nämlich den Sitz und die Einwirkung von Reitern wie William Fox-Pitt, Ingrid Klimke und Sandra Auffarth. Er verrät, warum sie besonders sicher reiten und wie diese Reiter ihr Pferd geschickt an Sprünge heranführen.

 

Auch jeder normale Freizeitreiter profitiert von Chris Bartles Erklärungen! Er stellt die verschiedenen Sitzvarianten für sicheres Reiten im Gelände vor. Er erklärt, wie der Reiter sicher oben bleibt, wenn das Pferd in schwierigen Situationen wegrutscht oder ins Straucheln kommt. Dieser besondere Sicherheitssitz für Extremfälle, den Chris Bartle empfiehlt, hat eine witzige Bezeichnung: Er nennt ihn die „Oh shit!“-Position. Diese hilft übrigens auch, wenn ein Pferd mal buckelt.

 

 

Eigenschaften der „Oh shit!“-Position

 

Für diesen Sicherheitssitz sind die Bügel gelände- und springtauglich kurz geschnallt. Wichitg ist, dass der Reiter den Unterschenkel so vor nimmt, dass sich die Fußspitze in einer gedachten Linie vor dem Knie befindet. Der Unterschenkel liegt dadurch zum Teil nicht nur am, sondern in manchen Beispielen sogar vor dem Sattelgurt. Zwei Drittel des Pferdes soll der Reiter gefühlt vor sich haben, das bedeutet: Der Schwerpunkt des Reiters soll hinter dem Schwerpunkt des Pferdes liegen. Das Gesäß des Reiters nimmt im Sattel Platz, der Oberkörper des Reiters wird sogar eine Idee hinter der Senkrechten gehalten.

 

 pferdia Chris Bartle Ingrid Klimke  Der Zügel wird so lang, dass das Pferd den Hals ungehindert nutzen kann. Ingrid Klimke zeigt hier auch die Fuß- und Beinhaltung, wie sie sich Chris Bartle für den Sicherheitssitz wünscht. Fotos: Inge Vogel  

 

Wie Du einen Sturz verhinderst

 

In dieser „Oh-Shit!““-Position dürfen die Zügel im Notfall aus der Hand gleiten. Falls das Pferd strauchelt, hat es so die Möglichkeit, den Hals als Balancestange zu nutzen. So kann es sich selbst abfangen und ein Sturz wird verhindert.

 

Hierzu zeigt Chris Bartle ein imposantes Filmbeispiel: William Fox-Pitt (den Chris Bartle als den erfahrensten Vielseitigkeitsreiter überhaupt bezeichnet!) kommt unpassend an ein festes Hindernis. Noch über dem Sprung lässt er die Zügel lang aus den Händen gleiten. Er setzt sich selbst zurück, so dass er in der beschriebenen „Oh shit!“-Position ist, als das Pferd landet. Durch die unpassende Distanz strauchelt das Pferd im Landen und zwar so massiv, dass der Zuschauer sich sofort vorstellen kann, dass dies auch in einem Sturz enden könnte.

 

Doch das Pferd kann sich selbst wieder auffangen, weil es sich über den Hals wieder ausbalancieren kann. Der Reiter stört wenig und sitzt sicher, da er seinen Schwerpunkt nach hinten verlagert hat. So konnte William Fox-Pitt einen Sturz verhindern und setzte den Ritt fort.

 

Zügel aus der Hand gleiten lassen

 

Übrigens zeigen ganz viele Filmbeispiele, wie selbstverständlich und schnell die Zügel bei guten Reitern aus der Hand gleiten und auch genauso schnell wieder aufgenommen sind. Chris Bartle weist explizit darauf hin, wie wichtig es ist, dies im Training zu üben.

 

 

 

 pferdia Chris Bartle Sandra Auffarth und Chris Bartle: Olympische Reiter sind sie beide. Chris Bartles' Film über den Sicherheitssitz findest Du hier auf pferdia. Fotos: Inge Vogel

 

Das Herz eines Löwen

 

Chris Bartle sagt, ein Vielseitigkeitsreiter brauche „Das Herz eines Löwen und den Sitz eines Pessimisten!“ Er zeigt im Film, wie gute Reiter zwischen den unterschiedlichen Sitzpositionen wechseln – zum Beispiel vom Rennsitz in den Vorbereitungssitz, vom Vorbereitungssitz in den Kontaktsitz. All diese Sitzvarianten und ihre Eigenschaften erklärt der etablierte Vielseitigkeitstrainer genau.

 

Außerdem kannst Du im Film lernen:

 

  • welche Aufgabe die zentrale Muskulatur des Reiters hat
  • wie der Reiter seine Oberschenkel einsetzt
  • weshalb die Hebel im Körper des Reiters essentiell sind
  • wie der Reiter mit seinem Körper die Pferdeschultern kanalisiert
  • wie der Reiter sitzen muss, um den Rücken des Pferdes frei arbeiten zu lassen
  • wie die Zügelbrücke auch auf höchster Sportebene wichtige Funktionen erfüllt
  • weshalb es wichtig ist, Kopf, Hals und Schultern des Pferdes möglichst gerade vor sich zu führen und wie man dies umsetzt
  • welche Vorteile ein Dressurtraining auf der Wiese bietet
  • weshalb das Geradeausschauen so wichtig ist und wie Du dies mit Trockenübungen verbessern und nachfühlen kannst
  • wie junge Pferde an Wassersprünge herangeführt werden
  • wie man gute und schlechtere Schenkellagen bei Reitern unterscheidet

 

Den Film findest Du hier auf pferdia.de. All diese Punkte erklärt Chris Bartle nicht nur, sondern er zeigt Filmmaterial dazu, so dass seine Erläuterungen besonders gut verständlich werden. Die korrekte Schenkellage wird zum Beispiel mit zahlreichen Ausschnitten von unterschiedlichen Reitern erklärt. So kann der Betrachter sein Auge schulen.

 

Du kannst sehen, dass einer Reiterin beim Springen der Unterschenkel immer eher nach hinten wegklappt, wodurch sie quasi auf dem Knie landen würde, falls man das Pferd unter ihr wegzaubern würde, gedanklich. Eine andere Reiterin zeigt diesen Fehler nur in leichter Ausprägung, wieder andere Beispiele zeigen die korrekte Schenkellage.

 

Es gibt keinen perfekten Reiter

Sehr sympathisch sind bei allen Erklärungen von Chris Bartle sein Wissen, verpackt in einer bodenständigen Art und Weise. Man spürt: Dieser Mann lebt für und liebt die Vielseitigkeit. Ohne jede Arroganz, trotz seiner so vielen Auszeichnungen. Einer seiner schönsten Aussagen im Vortrag ist die folgende: „Es gibt keinen perfekten Reiter! Wir hören nie auf zu lernen!“

 

>>> Mehr über Chris Bartle kannst Du hier auf pferdia lesen!   

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