Viel besser sitzen - so geht's!

von Jeannette Aretz

Datum: 02.04.2018


pferdia a life with horses Mary Wanless

Sieht verrückt aus, doch das vergisst man nie mehr: Wie stark sich minimale Veränderungen im Sitz anfühlen, wenn man mal selbst als Reittier herhält. Illustration: Aus "Perfekt sitzen, effektiv einwirken" von Mary Wanless, mit freundlicher Genehmigung des Müller Rüschlikon Verlags.

 

  

Wie Du lernst, den eigenen Körper so im Sattel anzusteuern, dass Du mit minimalen Änderungen die korrekten Hilfen gibst. Das ist keine Hexerei, sondern eine extrem effektive Sitzschulungsmethode namens "Mary-Wanless-System". 

 

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Zeit, mal anzugeben. Ich bin gerade voll in der Fitness-Welle. Man könnte auch sagen: Ich habe ein paar neue Spleens. Zum Beispiel:

 

➢ Im Auto: Halte ich neuerdings das linke Bein hoch. (Es ist ein Automatik, ich brauche das Bein nicht.)
➢ Beim Aufstehen vom Stuhl: Stehe ich NUR über die Oberschenkel auf – ohne den Oberkörper vorzunehmen! (Klingt einfach? Probiere es mal!)
➢ Beim Treppensteigen: Mache ich den Bauch fest und zieh’ die Beckenbodenmuskeln an.
Zwischendurch: Hocke ich mich auf den Boden, Schienbeine dabei platt auf den Boden gelegt, Gesäß auf die Unterschenkel und ziehe mich nur über die Oberschenkel mit angespannter Bauchmuskulatur hoch. So, dass die Unterschenkel weiter auf dem Boden liegen, aber der Rest vom Körper aufgerichtet wird. (Aua!)
➢ Ansonsten: War ich diese Woche schon zwei Mal joggen und ein Mal habe ich sogar wieder Yoga gemacht.

Muskelkater: Ja.
Inneres Jubilieren: Und wie!
Denn ich weiß: Genau das hilft mir, im Sattel besser zu sein. Viel besser.

 

Hilfen korrekt geben


Diesen Anschub gibt mir nicht nur der Frühling. Das sind auch die Nachwirkungen vom Elaine-Butler-Kurs bei uns. Sie unterrichtet Sitzschulungen nach Mary Wanless (Auf pferdia könnt ihr Euch übrigens Lehrfilme mit Elaine Bulter unter anderem zum Thema Einknicken in der Hüfte ansehen.) Man lernt mit dieser Methode, den eigenen Körper so im Sattel anzusteuern, dass man mit minimalen Änderungen die korrekten Hilfen gibt. Und sich auch darüber klar wird, was alles fehlt (zum Beispiel ein Doppelkinn! Warum ein Doppelkinn beim Reiten ein gutes Zeichen ist, habe ich hier aufgeschrieben). Bei mir ist ein Knackpunkt die Oberschenkelmuskulatur, die vor allem links schwächer ist als rechts. Das merke ich im Sattel immer dann, wenn das Pferd auf die linke Schulter kippen möchte und ich sitztechnisch zu wenig dagegen tun kann. Übrigens geht es bei der Oberschenkelmuskulatur  um die oben aufliegende Muskulatur, nicht um die dem Sattel zugewandten Muskelstränge. Klemmen soll man natürlich nicht, klar.

 

Besser sitzen


Es ist nicht so einfach zu beschreiben, was für Sachen die Mary-Wanless-Leute anders machen. Man reitet, ganz normal, nicht etwa an einer Longe wie bei gewöhnlichen Sitzschulungen. Elaine Butler analysiert während man reitet mit ihren Röntgenaugen jede Stelle des Körpers. Während des Reitens und danach noch mal per Video. Dabei siehst Du, wie Du vor ihrer Korrektur im Sattel sitzt und wie danach (Wie man eigene Reitvideos erträgt bzw. sie wohlwollend ansieht, habe ich hier aufgeschrieben). Manchmal ist das erschreckend, was man da sieht. Weil das, was sich für Dich vielleicht gerade richtig anfühlt, es wirklich nicht ist. Nach der Videoanalyse geht es nochmal eine Runde auf’s Pferd. Das Tolle ist: Sie kommt mit diesem System an Sachen heran, die man vielleicht auch schon lange weiß, aber nicht geändert bekommt. Es gibt jedes Mal so viele AHA-Erlebnisse. Bei mir: In der Rechts-/ Linksschiefe meinerseits. Bei anderen aus dem Kurs: Beim Aussitzen, beim Galoppieren, beim Oberkörper stabilisieren. Während den Reiteinheiten schon sind die Fortschritte sichtbar: Da ruderte jemand nicht mehr im Oberkörper, da floß plötzlich die Bewegung besser durch den Körper, da war ein Angaloppieren mit minimaler Hilfe plötzlich möglich.

 

Was das Pferd beim Stuhlsitz fühlt


In der Theorie beim Kurs schaut man nicht nur Videos, sondern probiert auch Sachen aus. Irre ist für jeden das Gefühl, mal selbst als Reitpferd herzuhalten. Es sieht von außen so sehr nach Spielerei aus! Ein Reiter stellt sich auf alle Viere, ein Reiter setzt sich auf ihn, in den Bereich, in dem die Rippen sind, also nicht zu weit hinten. (Wie das aussieht, zeigen diese Illustrationen hier.) Diese Erfahrung vergisst man nie: Wie krass unterschiedlich schwer sich ein Reiter anfühlt, je nachdem ob er im Hohlkreuz, lotrecht oder im Stuhlsitz auf dem Rücken sitzt. Schon eine Tendenz ins Hohlkreuz macht immens etwas aus! Auch, welche Miniveränderungen an Oberschenkeln und Sitzbeinhöckern den das Pferd spielenden Menschen dazu bringen, sich seitwärts zu bewegen, ist erstaunlich. Ich kann jedem nur empfehlen, sich so eine Sitzschulung mal anzusehen. In Deutschland unterrichten zur Zeit als zertifizierte Trainer Elaine Butler, Ulrike Hoesch-Vial, Angie Lohmann und Hannah Engler (auf www.die-wanless-methode.de findet Ihr mehr über die Methode und diese Trainer).

 

Über den Rücken reiten


Persönlich kenne ich zwei Trainer, die in England von Mary Wanless ausgebildet wurden. Das sind Elaine Butler und Hannah Engler. Hannah Engler kann ich ebenso sehr wie Elaine Butler empfehlen, auch sie kommt regelmäßig zu uns. Ohne Hannahs Sitzschulungs-Unterricht würde ich so, so, so viel schlechter auf dem Pferd sitzen! Sie hilft mir zum Beispiel bei unserem Pony, nur mit dem Sitz das Pony dazu zu bringen, den Brustkorb anzuheben, es zu animieren, tatsächlich über den Rücken zu gehen und sich an die Hand heran zu dehnen, statt sich hinter dem Gebiss zu verkriechen. Das sind reiterlich ziemlich anspruchsvolle Sachen, finde ich zumindest. Für mich war es wie eine neue Welt betreten, zu lernen, dass man nur mit dem Werkzeug „Reitersitz“ hier enorm etwas verändern kann.

 

Core Muscles machen gutes Reiten aus


Was ich übrigens sehr spannend finde: Chris Bartle spricht in seinem neuen großen Film bei pferdia die Core-Muscles an, die zentralen Muskeln im Oberkörperbereich. Wie wichtig diese für den korrekten Sitz sind, erwähnt er explizit, genauso wie die Oberschenkel. Genau das lernt einjeder und zwar absolut bis ins kleinste Detail in der Mary-Wanless-Methode! Das ist nämlich nicht nur etwas, das Spitzen-Vielseitigkeitsreiter nutzen sollten. Jeder, jeder, jeder Reiter ist klarer für's Pferd, ist leichter für's Pferd und reitet schlichtweg besser, wenn er beigebracht bekommt, den richtigen Muskeltonus zu finden. Und das macht dieses Mary-Wanless-Sitzschulungstraining so hervorragend: Man lernt, die richtigen Muskeln anzusteuern, Teile zu entspannen und Teile anzuspannen, sowie die Sitzbeinhöcker korrekt zu nutzen. Genau das macht es möglich, die Hilfengebung zu verfeinern und korrekt einzusetzen. Die gute Nachricht ist: das kann man lernen! Es gibt Lehrer, die es vermögen, genau das zu vermitteln, was Naturtalente automatisch richtig machen.

 

Gewinnspiel: 3 Mary Wanless Bücher 

Zum Reinschuppern in diese Sitzschulungsmethode hier die Osterüberraschung für Euch: Gewinnt eines von drei Mary-Wanless-Büchern! Es ist das aktuellste Buch von Mary Wanless namens „Perfekt sitzen, effektiv einwirken“, erschienen bei Müller Rüschlikon, und bietet einen guten Einblick in die Methode. Es kostet im Handel 19.95 Euro, zum Beispiel hier im pferdia-shop. Alle Gewinnspielbedingungen findet Ihr auf dem Blog www.alifewithhorses.de selbst (Start 02.4.2018, 18 Uhr, Ende 05.04.2018, 18 Uhr). Das Gewinnspiel steht in keinem Zusammenhang mit pferdia.

 

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Einmal die Woche gibt's hier im pferdia-Magazin einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Hier spreche ich, Jeannette, über Motivation & Gedanken zu den Pferden, zum Reiten und zum Drumherum. 

 

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