Lernweisen – über zwei- und vierbeinige Reitlehrer

von Jeannette Aretz

Datum: 05.02.2016


a life with horsesAm Wochenende gibt's hier einen Text aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Foto: Klara Freitag

 

Motivation für das Wochenende 

 

Ich reite ab heute nur noch als Karton herum. Ich stelle mir vor, ich bin ein Karton. Ein senkrecht stehender beigebrauner Pappkarton im Sattel. 

 

Völlig bescheuert?

Nee. Funktional.

 

Seitdem geht das Pferd wieder besser. Meine Ellbogen bleiben bei mir (erinnert ihr euch, HIER habe ich davon erzählt). Die Idee mit dem Karton kam so zustande: So wahnsinnig genervt, wie ich von meinem eigenen Sitz war, konnte ich nicht mehr warten, bis der Termin mit dem elektronischen Pferd zu stande kommt (da wo meine pferdiathek-Kollegin Sonya Hudson schon war, HIER könnt ihr das lesen). Also habe ich mal geschaut, was es bei mir vor der Haustüre so gibt. Gefunden habe ich eine Trainerin nach dem Mary-Wanless-Sitzschulungssystem (gibt’s auch in der pferdiathek, HIER). Diese Trainerin hat mir dann erklärt, wie ich mehr Muskeltonus in meinen Oberkörper bekomme, so stabiler werde und keine Ausweichbewegungen mit den Ellbogen mehr brauche. Das Bild, das dabei am besten bei mir geholfen hat, war: „Stell Dir vor, Du bist ein Karton.“

Wenn ich in einen Seitengang reite, dann soll der ganze Karton sich seitwärts bewegen. Mit diesem Bild im Kopf knicke ich nicht ein. Versuche ich hingegen, mich darauf zu konzentrieren „in Bewegungsrichtung zu sitzen“, dann ist mein Fokus verschoben in Richtung Becken und Steigbügel. Schwupps, bin ich wieder schief, und schwupps, gehen mir die Ellbogen flöten. Fluppt also weniger gut, auch wenn es ein korrekter Terminus ist. 

 

Wer heilt, hat recht. Das gilt auch fürs Reiten: was funktioniert, übernehme ich gern.

 

Also darf es für mich so ein verrücktes Bild sein. Niemand erfindet die Reitlehre neu. Nur die Kanäle, auf denen etwas ankommt, sind bei jedem unterschiedlich. Ich bin also der Karton-Typ. Kann ich mit leben, auch wenn ich mir selbst im geistigen Bild dabei vorkomme wie Bernd das Brot (das kennen wohl nur diejenigen, die abends beim Einschalten des Fernsehers auf dem Kinderkanal anfangen zu zappen). Bernd das Brot reitend, natürlich. 

 

Die Lehrerin hat mir sofort auf die Schultern geklopft. Die vierbeinige Lehrerin. Sie ging nämlich in dieser Sequenz flüssiger seitwärts und generell direkt mit besserer Hinterhandaktivität und größeren Trabtritten. Sie freute sich wohl, dass da im Sattel niemand mehr blockiert. Pferd funktioniert nämlich einwandfrei. Ich selbst muss noch ne ganze Weile an den Karton denken, damit er mir in Fleisch und Blut übergeht. 

 

Kennt Ihr das? Was sind Eure seltsamsten hilfreichen Gedanken beim Reiten? Schreibt es doch gern in die facebook-Kommentare, ich bin gespannt!

 

Genießt das Wochenende - und viel Freude mit den Pferden!

 

P.S.: Wer mich mal tatsächlich reiten sehen will, kann das auf meinem instagram-Account nachsehen: alifewithhorses_de. Ein paar Sekunden seht Ihr da, wie die Frau Pferd das Auto in der Halle jagt. Ja, tatsächlich. Sie hatte Spaß dabei - und ich auch :o). Deshalb ist das online, auch wenn ich ja sonst eine Video-Paranoia habe, wenn es um mich selbst geht (davon hatte ich Euch HIER erzählt).

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Am Wochenende gibt's im pferdiathek-Magazin immer einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Zur Einstimmung ins Wochenende spreche ich, Jeannette Aretz, hier oft über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe.

Ein entspanntes, wunderbares Wochenende wünscht das gesamte pferdia tv-Team! Tipp: Unsere Filme schauen sich besonders gut auf dem Sofa, mit einer Decke um die Beine und viel Muße am Wochenende. Haben wir mehrfach getestet und für hervorragend befunden!

 

Das Pferd in positiver Spannung, FN-Verlag 


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