Einstieg in die Freiarbeit: Lernen per Clicker

von Jeannette Aretz

Datum: 08.10.2015


Was für ein schönes Gefühl, wenn das Pferd frei neben dem Menschen herläuft, und doch tut, was dieser möchte. 

agility pferdia tvFrei im Spieleparcours: Nina Steigerwald weiß, wie das geht.

  

Ein paar Minuten reichen schon

Es gibt die unterschiedlichsten Methoden, Freiarbeit zu erlernen. Eine davon ist das Clickertraining, und dem hat sich Nina Steigerwald verschrieben. Zudem ist sie Expertin für Agility mit dem Pferd. Eine kleine Berühmtheit ist ihr Pony Amadeus auf facebook geworden, denn wie rasant Amadeus auf Fingerzeig einen ganzen Agility-Parcours absolviert, das haben sich auf unserer pferdia-tv-Facebook-Seite mehr als dreieinhalb Millionen Menschen angeguckt. Dieser Filmschnipsel ist ein Stück aus dem pferdia-tv-Film Agility für Pferde, der auch hier in der pferdiathek als online Stream zu sehen ist. Das was Amadeus da macht, ist absolutes Fortgeschrittenen-Niveau. Das Schöne am Clicker- wie am Agilitytraining: Der Einstieg ist leicht, und ein paar Minuten Zweisamkeit mit dem Pferd reichen oft, um so ein schönes Element mit ins Training aufzunehmen.

 

Die Kehrtvolte als Einstieg in die Freiarbeit

So etwas wie die freie Kehrtvolte zum Beispiel: Das Pferd folgt dem Menschen beim Richtungswechsel ohne Führstrick oder -seil. Das ist eine wichtige Übung später im Agility-Parcours, wenn das Pferd von Hindernis zu Hindernis gehen soll. Eine gute Sache, um zu starten, vor allem auch, weil keine besonderen Hindernisse gebraucht werden, man kann einfach loslegen. Wer eine Pylone in zwei Metern Entfernung zur Ecke aufstellt, erleichtert die Übung allerdings dem Pferd. Übrigens empfiehlt Nina Steigerwald, ziemlich flott zur Freiarbeit über zu gehen beim Clickern: „Freies Folgen finde ich viel eleganter, gerade weil Anfänger mit Strick, Clicker und Futter schnell zu viel in der Hand haben und dann nicht mehr zeitlich ganz genau reagieren können.“

 

Wie wird geclickert, damit sich das Pferd umdreht? 

 Hier zeigt Nina Steigerwald, wie die freie Kehrtvolte geübt wird. Siggi, das Pferd mit dem Nina Steigerwald die Übung zeigt, hat sie hier gerade gelernt. Deshalb ist alles noch schön langsam, und nicht so rasant, wie es später mal im Agility-Spieleparcours aussehen soll. Aber: gut, um selbst zu lernen und das daheim nachzumachen!

 

 

Bevor Sie selbst beginnen, bitte vorab folgende Punkte sicherstellen: 

 

1. Die Umgebung

Üben Sie auf einem eingezäunten Bereich ohne andere Menschen, die reiten oder gerade etwas mit ihrem Pferd erarbeiten. Wenn Ihr Pferd nämlich in der Übung wegläuft, sollte das nicht weiter dramatisch sein.

 

2. Manierliches Fressen

Zur Vorbereitung sollte das Pferd gelernt haben, nicht nach Futter zu betteln und den Menschen nicht zu bedrängen. Dafür hat Nina Steigerwald eine erste vorbereitende Übung. Nämlich: Clickern & Füttern auf der Uhr. Hier erklärt sie diese Höflichkeits-Übung im Film in der pferdiathek. Mit Mehl oder Kalk zeichnet sie einen Kreis in Voltengröße auf den Boden, der wiederum in Viertel eingeteilt wird. Das Pferd wird auf den Mittelpunkt geparkt und belohnt, wenn es unbewegt stehen bleibt, ohne dem Menschen und dessen Futterhand zu folgen. Die Futterhand des Menschen liegt dabei locker in der Bauchtasche und hat den belohnenden Hafer schon parat. Hält das Pferd Kopf und Hals gerade, ohne sich in Richtung Futter und Mensch zu orientieren, erhält es einen Click und Futter. Folgt das Pferd der Futterhand, gibt es keinen Click. Bewegt sich das Pferd auf den Menschen zu, wird es eine Runde geführt, bevor die Übung von neuem startet. Klappt dies, dann erhöht Nina Steigerwald die Anforderungen und verändert ihre Position auf der Uhr, das Pferd soll weiter unbewegt stehen und nicht nach dem Futter Ausschau halten.

 

3. Frei folgen

Außerdem sollte ihr Pferd Ihnen frei an der Bande entlang folgen. Das lernen Pferde sehr schnell im Clickertraining. Es gibt Clicks und Futter für das Laufen neben dem Menschen. Wichtig ist der Abstand: Das Pferd sollte so neben dem Menschen her laufen, dass Mensch und Pferd sich auch im Trab und Galopp nicht berühren würden. Drängelt das Pferd, hilft Übung in einer Gasse. Der Mensch bleibt außerhalb, die Begrenzung sorgt für den korrekten Abstand. Nina Steigerwald verwendet als Begrenzung eine Kette, die an Sticks befestigt ist. „Im Laufe des Trainings reduziert man dann die Gasse, denn sie sofort wegzunehmen, das klappt nicht gut“, sagt Nina Steigerwald. Also wird die Kette tiefer gehängt, dann kommen die Sticks weg, die Kette liegt nur noch auf dem Boden, schließlich wird auch die Kette weggeräumt. Hier ist die Übung im Film zu sehen.

 

Startklar?

Prima! Dann mal los: Gehen Sie zunächst auf Halshöhe des Pferdes. Kurz vor der Wendung wechseln Sie Ihre Führposition in Richtung Kopfhöhe des Pferdes. Merken Sie sich die folgenden Aspekte, und schauen Sie sich auch noch mal das Video oben daruafhin an – es sind die wichtigsten Elemente, damit die freie Kehrtvolte gelingt. 

 

agility pferdia tv
Die Position von Mensch und Pferd in der Kehrtvolte. Illustration mit freundlicher Genehmigung des Verlags Müller-Rüschlikon.

  

  • Führen Sie das Pferd an der Bande entlang
  • In der Ecke geht der Mensch im 45 Grad Winkel rückwärts und schaut dabei weiterhin das Pferd an
  • Sobald das Pferd einen Schritt in Richtung Mensch macht, also seine Bahn verlässt, gibt es einen Klick und Futter
  • Durch das Rückwärtsgehen verstärkt der Mensch die Idee des Pferdes, tatsächlich in die Kurve zu gehen
  • Im Moment des Drehens wechselt der Mensch die Futterhand und wendet seine andere Schulter dem Pferd zu
  • Den nächsten Click gibt es, wenn das Pferd wieder auf dem Hufschlag ist
  • Trick bei der Drehung: Der Mensch bleibt innen!

 

 

...So soll's mal aussehen: Frei im Parcours       Alle Fotos: Inge Vogel
Maul pferdia tv Leckerli ClickernHafer ist eine ideale Clicker-Belohnung

Shetty pferdia tv Shetlandpony ClickernAmadeus, das beste Pferd im Stall.

 

Damit's auch wirklich gelingt: 

 

  1. Stets nur ein Kriterium clickern! Wer sich dafür entscheidet, eine Sache zu belohnen und das zu trainieren, der clickert auch nur, wenn dieses richtig gemacht wurde. Egal, was das Pferd ansonsten noch anbietet in diesem Moment!
  2. Kleine Schritte bestärken. Kontinuierliches Bestärken motiviert sehr.
  3. Erst auf einer Hand üben, bis es wirklich sicher funktioniert, dann erst die andere Hand trainieren. Auf der hohlen Seite beginnen, auf der es dem Pferd leichter fällt, in die Biegung zu gehen

 

Zuletzt: Geizen Sie nicht mit dem Lob und dem Click!

Wer Erfolg haben möchte, der belohnt gezielt aber doch sehr häufig jeden Trainingsschritt, um bei Erfolg schnell zum nächsten Schritt übergehen zu können: „Wenn ich zuverlässiges, promptes Verhalten haben möchte, dann erreiche ich das durch kontinuierliches Bestärken“, sagt Nina Steigerwald. „Mal zu belohnen und mal nicht, damit erreiche ich höchstens, dass das Pferd immer wieder mal probiert, aber ich erreiche keine zuverlässige Reaktion."

 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 


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