Buch: David de Wispelaeres 'Eine Sache des Vertrauens'

von Jeannette Aretz

Datum: 07.04.2016


pferdia tv Das Anreiten des jungen Pferdes  - die Zeichnung zeigt David de Wispelaere neben seinem selbstgezogenen Wallach bei den ersten Schritten des Pferdes unterm Reiter. Bild: Patrick Roggenbau. 

 

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Wer dieses Buch öffnet, bekommt die private Pferdewelt eines Ausbilders ins Wohnzimmer geliefert. „Eine Sache des Vertrauens“ heißt das neue Buch von David de Wispelaere und es ist ein bisschen so etwas wie ein Familienalbum geworden.

 

Der Untertitel verrät, um welche Familie es geht: „Über die liebevolle Ausbildung von Fohlen und Jungpferden“ steht da. Der Ausbilder aus den USA, der lange in Deutschland gelebt hat, berichtet von seinen Zuchtpferden, seinen Youngstern und erklärt, wie Jungpferdearbeit für ihn aussieht. 

 

„Mir ist es ein Anliegen, dass Pferde nicht als Sportgeräte betrachtet werden,

dass es ihnen gut geht und dass sie vom ersten Tag an ein artgerechtes Leben führen dürfen.“ 

 

schreibt David de Wispelaere. Was er sich darunter vorstellt, das ist in Text, Bild und in vielen Zeichnungen in diesem Buch zu sehen. Durch die Mischung von persönlichen Erlebnissen und Geschichten  – über seine Stammstute Wapita, über ein Flaschenkind, seinen Fanciullo ­– und Lehrstücken wie ‚Arbeit an der Longe’, ‚Gewöhnung an die Reitausrüstung’  oder ‚Das erste Turnier – entsteht ein besonderes Buch. Dass ihm die Einstellung zum Pferd eine Herzensangelegenheit ist, beschreibt David de Wispelaere schon im Vorwort. Die ungewöhnliche Kapitelmischung und die Aufmachung des Buches mit vielen Zeichnungen der eigenen Pferde und der Interaktion zwischen Mensch und Pferd unterstreicht dies. 

 

Er selbst steht für den klassischen Weg, Pferde in der Dressur auszubilden, und das fair und fein. Er hat Pferde bis zum Grand-Prix-Level ausgebildet und war zweimaliger US-amerikanischer Meister in der Kür. Gelernt hat er sein Handwerk bei solch renommierten Reitern wie Robert Dover und Herbert Rehbein. Bei Rainer Klimke hat er noch in den USA Kurse besucht, Arthur Kottas hat ihm einige Schlüssel-Bausteine seines heutigen Reitsystems vermittelt, seine erste Station in Deutschland war der Hof von Gabriela Grillo, die einst zum Goldmedaillen-Team bei den Olympischen Spielen 1976 gemeinsam mit Rainer Klimke und Harry Boldt gehörte.

 

  

pferdia tv Remontenarbeit.

pferdia tv Der Künstler Patrick Roggenbau hat viele Szenen aus dem Alltag der Pferdeausbildung David de Wispelaeres in Zeichnungen festgehalten, die dem Buch eine besondere Attitüde verleihen. 

 

Losgelassenheit betonen

Merksätze von anderen etablierten Ausbildern hat er in diesem Buch notiert, das wirkt so, als ob David de Wispelaere sein persönliches Notizbuch kurz aufschlägt und den Leser hineinblicken lässt. Er beschreibt zum Beispiel auch ein Treffen mit Kurd Albrecht von Ziegner, der in der Lüneburger Heide einen Reitkurs von David de Wispelaere besuchte. Der alte Reitmeister sagte nach den Stunden, dass ihnen beiden die Losgelassenheit wohl das höchste Gut sei. 

Um Losgelassenheit in schwierigen Lektionen geht es übrigens auch in David de Wispelaeres erstem Filmbeitrag in der pferdiathek. In seinem neuen Buch sind QR-Codes enthalten, mit denen der Leser sich Filme über Fohlenaufzucht im Stall de Wispelaere und zum Beispiel über das Anreiten anschauen kann.

Heute konzentriert sich David de Wispelaere vor allem auf die Ausbildung seiner Schüler, die in Europa und in den USA daheim sind – entsprechend häufig ist er unterwegs. Sein zentrales Thema ist das Streben nach Harmonie und Leichtigkeit zwischen Reiter und Pferd – Dressurreiten sieht er als Gesunderhaltung des Pferdes an.

 

pferdia tv Wapita, seine Stammstute. Foto: Patrick Roggenbau. 

 

Er spricht sich gegen das unüberlegte Tragen von Sporen aus, für Weidegang auch für Grand-Prix-Pferde, für ein Einführen der Lektion „Zügel aus der Hand kauen lassen“ in höchsten Prüfungen. Für Pferde aus seiner Zucht (er hat eine Vorliebe für Pferde aus der rheinischen F-Linie, besonders, wenn sie Dunkelfüchse sind) sucht er sehr bewusst neue Besitzer aus, es klingt sehr familiär, ja liebevoll, wenn er über sie erzählt.

 

Es ist eine kleine Zucht, eine familiäre Zucht. Doch auch eine ausgesuchte: Seine Stammstute Wapita hat zum Beispiel auch mit Fidermark den Hengst Favourit gebracht, der unter den Top 50 der Weltrangliste der Dressur zu finden ist.

 

pferdia tv Eines seiner selbstgezogenen Pferde: Goldmark mit seiner Besitzerin Fee Stabenow. Foto: Privat / Archiv de Wispelaere 

 

Das Buch schließt übrigens mit einer Galerie seiner Pferde – einige der Fohlen, die er gezogen hat, sind dort als herangereifte Pferde mit ihren neuen Besitzern zu sehen. Andere Pferde, wie seine Stuten Dohle und Fianesse, sind mit ihm über den Teich gereist – und leben nun ebenfalls in New York State.

 

>>> Ein Buch zum Schmökern, das ganz klar die faire Haltung zum Pferd betont. Viele Fallbeispiele erzählen von Entscheidungsfindungen und zeigen, dass Ausbildungsentscheidungen vor allem stets für jedes Pferd und für jede Situation neu zu überlegen sind.

 

Das Buch ist soeben im Cadmos Verlag erschienen. Es kostet 34,95 Euro. Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung vom Cadmos Verlag entnommen aus „Eine Sache des Vertrauens."

 

 

Besser Reiten, FN-Verlag


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