Buch: Bent Branderups „Die Logik hinter den Biegungen"

von Jeannette Aretz

Datum: 30.05.2016


pferdia tv Der Autor Bent Branderup , sein Leitspruch "Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur". Foto: Lotte Lekholm

 

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Nimmt man es in die Hand, sieht dieses neue Werk von Bent Branderup aus wie ein oppulentes Coffeetable-Buch. Also: großformatige, schöne Fotografien in einem hochwertig anmutendem Buch. 

 

Inhallich jedoch ist hier nichts oberflächlich, sondern es geht zur Sache: Dieses Buch ist kein reines Bent-Branderup-Lehrbuch, sondern eher eine kommentierte Ausgabe ausgewählter Passagen von Gustav Steinbrecht. 

 

 

pferdia tv Bent Branderups Steinbrecht-Interpretation.
pferdia tv Frisch erschienen im KOSMOS-Verlag. Fotos, beide: Lotte Lekholm

  

Zitiert werden Originaltexte von Steinbrechts „Das Gymnasium des Pferdes“, die reiterlich Bent Branderup kommentiert. Zusätzlich erläutert Annika Keller die angesprochenen Ausbildungsmethoden biomechanisch. 

Gegliedert ist das Buch in die Teile Gleichgewichtsrichtung des Pferdes, Biegung des Halses, des Genicks, des Rückgrads und der Hinterschenkel. 

Bent Branderup erklärt – und korrigiert auch manches mal – nach heutigem Wissensstand oder aber nach dem Verständnis seiner akademischen Reitlehre Steinbrechts Schrift. So erklärt Gustav Steinbrecht zum Beispiel:

 

„Bei jungen Hengsten finden wir namentlich Hals und Genick oft so mit Fleisch und Fett bedeckt,

dass sie dadurch ganz unförmlich und verwachsen aussehen und erst durch Abschwitzen

nach und nach gefällige Formen und Beweglichkeit gewinnen.“

Dazu Branderup:

„Tatsächlich formt sich ein Hals nicht schöner, weil überflüssiges Gewebe und Fett abgeschwitzt wird,

sondern weil die Muskulatur, welche die Wölbung des Halses formt, sich günstiger ausbildet,

wenn das Pferd sich mit der Zeit besser von hinten trägt.“

 

 pferdia tv Hier listet Bent Branderup auf, wie er in der akademischen Reitkunst im Stehen üben lässt, das Gewicht auf jeweils unterschiedliche Stützbeine zu verschieben. Illustration: Branderup

  

pferdia tv Eine Schülerin Bent Branderups. Foto: Lara Schwarz 

 

Dadurch, dass das Buch sich tatsächlich auf den Teilaspekt  „Biegung des Pferdes" in allen Facetten konzentriert, ist Platz für Genauigkeiten. Wie rotiert der Brustkorb in welcher Lektion? Weshalb ist es im Schulterherein so wichtig, dass die äußere Schulter Platz bekommt und was muss ich reitelrich dafür tun?, dies sind zum Beispiel Themen, die behandelt werden.

Bent Branderup nutzt die Vorlage Steinbrechts, seine Vorgehensweise in der akademischen Reitkunst genauer zu erläutern. Wenn Steinbrecht beschreibt, wie er Kopf und Hals biegen lässt, nämlich

 

„abwechselnd nach rechts, links und gegen den Hals im Halten“

 

dann erklärt Bent Branderup, weshalb er in der akademischen Reitweise folgende Lektionen nacheinander abfragt: von der Biegung im Stand zum Schulterherien vorwärts-abwärts und dann ins Kruppeherein, „um zu testen, ob das Pferd die Wirbelreihe so weit gelöst hat, dass es die Parade bis auf die Hinterhand durchlassen kann“. 

 

pferdia tv Schulterherein als Lektion, die zur maximalen Freiheit der äußeren Schulter führen soll. Foto: Lotte Lekholm

 

 

>>> Also: ein Buch für Menschen, die tief in die akademische Reitkunst und ihre Wurzeln eintauchen wollen. Mit ansprechender Aufmachung, die es leichter machen, in die Theorie einzusteigen. Sehr schön ein paar ausgewählte Anekdoten: So soll Gustav Steinbrecht von jedem seiner Ausbildungspferde eine Schweifsträhne genommen haben und sie in einem Album aufgehoben haben. Letztlich sammelte er so in seinem Leben 240 Schweifsträhnen.

 

Das Buch ist soeben im KOSMOS-Verlag erschienen. Es kostet 29,99 Euro. Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung vom KOSMOS-Verlag entnommen aus „Die Logik hinter den Biegungen".

* = Diese Rezension ist mit Unterstützung des KOSMOS-Verlags entstanden.

 

Pferde versammeln vom Boden aus, FN-Verlag


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