Wie lange gelten Deine eigenen Pferde-Grundsätze?

von Jeannette Aretz

Datum: 23.06.2017


 pferdiathek a life with horsesWas würde Dein jüngeres Selbst zu Dir und Deinem Umgang, Deinen Entscheidungen mit Pferden heute sagen? Foto: Klara Freitag  

 

Im Grundsatz sind wir uns einig. Das Pferd braucht Bewegung, Sozialkontakt, bestes Futter, beste tierärztliche Versorgung. Gute Ausbildung. So sehen das die Menschen um mich herum. War schwer genug, diese Menschen zu finden. Privat, beruflich, überall. 

 

Nur: Wie lange sind diese Grundsätze gültig? Und zwar nicht nur bei diesen (aber da fällt es einem ja als erstes auf, ist ja einfacher, vor fremden Haustüren zu kehren!), sondern auch bei einem selbst?

 

Mal ein paar Beispiele:

 

Beispiel A. Das Pferd ist richtig krank. Die ersten Klinikrechnungen von 3.000 Euro zahlt man noch, nun ja, fast, gern. Doch das zweite Mal, das dritte Mal? Gibt es eine Schmerzgrenze? Eine natürliche, oder eine selbst gesetzte? Und wenn ja, wo liegt diese?

 

Beispiel B. Das Raufutter kostete im vergangenen Jahr durch die schlechte Ernte fast doppelt so viel. Ich kenne Stallbesitzer, die beide genau die gleichen Grundsätze haben, siehe oben. Doch im Extremfall entscheiden sie komplett unterschiedlich: Der eine entscheidet sich fürs wirtschaftlichere, billigere, schlechtere Futter, und der andere fürs überteuerte, gute, unwirtschaftliche Futter. 

 

Was kostet ein krankes Pferd?

Nun, die eigene Türe, schauen wir mal die an. Ich kann mich noch sehr gut an die Frage einer Kollegin, Späteinsteigerin, eher der realistische Typ, vor zehn Jahren erinnern. Sie spielte mit dem Gedanken, sich ein Pferd zu kaufen. Sie wußte, ich habe Zwei. Sie rechnete durch, was sie ein Pferd kosten würde, und fragte mich erstaunt: „Was würdest Du tun, wenn Deine Pferde so wirklich richtig krank werden? Hast Du eine finanzielle Grenze?“ Ich sagte: Nö. Ich würde mich wirtschaftlich ruinieren, damit es meinen Pferden gut geht, kommt es hart auf hart, das war damals meine Antwort. Danach hat sie mich nicht mehr nach Ratschlägen gefragt. Ich war wohl eher nicht so der realistische Typ. 

 

Heute würde ich das schon nicht mehr so eindeutig beantworten. Denn wie war das gleich? Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz, und wer mit 30 immer noch einer ist, der hat keinen Verstand? Voilá. Ich würde sehr, sehr, sehr viel geben, für meine Tiere, weiterhin. Aber es gibt eine Grenze, und die gab es damals nicht. Damals, als es noch mich allein ohne Kind und Anhang und ein klein wenig mehr Lebenserfahrung gab.

 

Ehrgeiz: Merkst Du ihn noch?

Beispiel C, der Sport und die Reiterei. Was tun, wenn der Ehrgeiz da ist, aber das Pferd dem nicht stand hält? Natürlich nicht den Ehrgeiz bedienen. So simple Antwort. Doch: Solche Fragen tauchen nicht in dieser Totalität auf. Nicht in so eindeutigen Situationen wie Pferd platt, und dennoch das Springen nennen. Solche Sachen sind schleichend, und es ist verdammt schwierig, wenn man selbst betroffen ist, die Situation noch gut einzuschätzen. Und das geht nicht nur den Sportreitern so. Beispiel: Ist es noch okay, auf dem unbemuskelten Rentner herumzujuckeln? 

 

Wenn man so nah dran ist, als Pferdebesitzer und Reiter, dann hat das große Vorteile: Einerseits ist man mit Bauch und Herz am nähesten dran (und niemandem ist Dein Pferd so wichtig wie Dir selbst). Es hat aber auch große Nachteile: Denn andererseits sieht manchmal der Blick mit etwas Abstand schärfer.

 

Es hilft wohl nur immer wieder hinschauen, sich selbst überprüfen, und ein, zwei Pferdeleute um sich herum zu haben, mit denen man sich auch mal beraten kann.

 

Sonst ist man irgendwann jemand anders, als man werden wollte. Sonst ist man jemand, den man mit 20 Jahren nicht gemocht hätte.

 

 

*************

Am Wochenende gibt's im pferdiathek-Magazin immer einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Zur Einstimmung ins Wochenende spreche ich, Jeannette, hier oft über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

Ein entspanntes, wunderbares Wochenende wünscht das gesamte pferdia tv-Team! Tipp: Unsere Filme schauen sich besonders gut mit viel Muße am Wochenende. Haben wir mehrfach getestet und für hervorragend befunden!

 

 

   

Springreiten DVD FN


Passend zum Thema

Falk Stankus arbeitet mit 5-jähriger Stute an mehr Geschlossenheit & Konzentration

Falk Stankus

Die 5-jährige Alissa lässt sich beim Training leicht ablenken und ist in ihrem Gleichgewicht noch nicht gefestigt. Im Trab und Galopp würde sie ohne entsprechende Vorbereitung dazu tendieren ‚auseinanderzufallen’ und nicht mehr fein an den Hilfen zu stehen.

Dauer: 12:29 Minuten

Hier geht es zum Video

Eine schöne Zeit mit Pferden haben

Wolfgang Marlie

Gemeinsam mit Paralympionikin Bettina Eistel erzählt Wolfgang Marlie, was für ihn eine schöne Zeit mit Pferden ausmacht. Im Gespräch wird deutlich, welche Bedeutung die innere Einstellung zum Pferd hat, wie man am besten mit Fehlern, Druck und Ängsten umgeht und dass es sich immer lohnt nach Lösungen zu suchen.

Dauer: 13:26 Minuten

Hier geht es zum Video

Dressursport – ganzheitlich zum Erfolg Teil 5: Besser reiten durch Yoga & Kraftsport

Jessica von Bredow-Werndl

Wer möchte, dass sein Pferd wie ein Gummiball läuft, der muss selbst zum Gummiball werden. So lautet das Credo der Werndl-Geschwister. Sie zeigen, wie sie ihre reiterliche Fitness durch Kraftsport, Ausdauertraining und Yoga steigern und erklären, wie hilfreich mentales Training im Turniersport sein kann.

Dauer: 06:57 Minuten

Hier geht es zum Video



zurück zur Übersicht

pferdia Videotipps

Cor de la Bryère – Ein Jahrhundertvererber in Holstein

Jan Tönjes

Der großen Beschälerpersönlichkeit wurde hier ein Denkmal gesetzt. Cor de la Bryère hat wie kein Zweiter das Bild des Holsteiner Pferdes geprägt und ist Begründer einer eigenen Hengstlinie. Der Film dokumentiert die Geschichte dieses besonderen Pferdes.

Dauer: 40:42 Minuten

Hier geht es zum Video

Anlehnung Folge 2: Anlehnung & Aufrichtung jederzeit selbst bestimmen können

Uta Gräf

Beim Training mit dem 5-jährigen Wallach Sir Hugo ist deutlich zu sehen, wie sich über die Anlehnung auch Takt und Losgelassenheit noch weiter verbessern und der Trab aufgrund der verbesserten Anlehnung elastischer wird. Mit dem fertig ausgebildeten Grand-Prix-Pferd Lawrence gibt Uta Gräf lehrreiche Einblicke in den täglichen „Feinschliff“ an Anlehnung und Aufrichtung.

Dauer: 12:39 Minuten

Hier geht es zum Video

Angie-Reitkurs Teil 2: Das Pferd verstehen lernen

Bibi Degn

Reiten lernen heißt nicht einfach nur im Sattel sitzen. Im Angie-Reitkurs lernen Kinder spielerisch, Pferde zu verstehen: Die Körpersprache, die Bedürfnisse und das Wesen des Pferdes zu kennen, ist eine der wichtigsten Grundlagen für ein langfristiges, positives Miteinander.

Dauer: 08:17 Minuten

Hier geht es zum Video

 

StGeorg Magazin

PM der Deutschen Reiterlichen Vereinigung