Alkohol auf dem Pferd

von Jeannette Aretz

Datum: 22.07.2017


 pferdiathek a life with horsesBei diesem Versuch kamen weder Tier noch Mensch zu Schaden. Foto: Klara Freitag  

 

Letztens war ich auf einem Geburtstag eingeladen. Der ganze Tag vorher hatte irgendwie den Wurm drin, und ich schaffte es nicht, mir Zeit für die Pferde herauszuschlagen. Das machte mich schlecht gelaunt. Ich hasse das, generell. Also suchte ich nach einem Kompromiss.

 

Alternative A: Erst noch zum Pferd, dann zum Geburtstag. Das hätte bedeutet, dass ich ziemlich stinkend zum Geburtstag gekommen wäre. Also entschied ich mich für Alternative B: Zuerst zum Geburtstag zu gehen, mir Wechselsachen einzupacken und früher von dort wieder weg zu fahren. Schließlich mag ich es, abends zu reiten, im Sommer besonders.

 

Nun denn – der Geburtstag war sehr schön, im Garten, zwischen Blumen saßen wir. Ich trank ein Glas Weißweinschorle zum Essen. Dazu muss ich sagen, dass ich kaum etwas vertrage, weil ich so selten etwas Alkoholisches trinke. Ein Glas Wein wäre definitiv schon zu viel gewesen, daher eben die Schorle. Nach zwei Stunden ging ich und machte mich auf zum Pferd. Das steht um die Ecke, vom Geburstagskind aus gesehen. Ich fuhr dahin, im Auto, darf man ja, mit einem Glas Schorle intus. Ich merkte das auch nicht, ja auch nicht verwunderlich bei 0,1 Liter Wein.

 

Das grandiose Gefühl, wenn alles klappt

Als ich dann auf dem Pferd saß, freute ich mich schon wahnsinnig, weil die Stute letztes Mal einfach so gut war. Sie macht inzwischen so toll mit, möchte alles recht machen und es gibt immer wieder ein paar Momente, die sich ganz wunderbar anfühlen. In der Trainingseinheit zuvor hatte sie zum Beispiel super toll Tempiunterschiede im Trab hingelegt. Es fühlte sich großartig an, wenn sie zurückkam und dann wieder wenn sie auf ein kleines bisschen Schenkel und Gewichtshilfe die Tritte verlängerte. Ich habe sie gelobt, und ihr erzählt, was für ein großartiges Pferd sie sei. Danach erschien sie mir zwei Zentimeter größer, vor Stolz.

 

Das war die vorherige Einheit.

Diesmal war es anders.

 

Das Gefühl versoffen

Ich trabte an. Irgendwie war das so schnell, fand ich. Zack-zack ging das Leichttraben, schneller als sonst, ich musste mich anstrengen, mitzukommen. Seltsam, eilte die Stute so? Ich ritt ein paar Übergänge und fand die sehr unharmonisch. Ich merkte auch dabei, das alles um mich schneller war als ich. Ich war zu langsam mit der Hand, gab zu spät nach. Mist, dachte ich noch, der Wein, also reiß’ Dich mal zusammen, schön konzentrieren jetzt! Doch wenn ich runter schaute, an der Schulter des Pferdes vorbei zum Boden, hatte ich das Gefühl, ich krieg’ nix anderes mehr mit. Nur diese Bodenwellen sah ich noch, die Übersicht fehlte. Wenn ich am Spiegel vorbei ritt, fand ich, dass ich drauf saß, aber nicht drin. Ich merkte: Ich bin heute echt schlecht. Das mit dem Wein war wirklich keine gute Idee.

 

Noch ein, zwei Übergänge, dann hörst Du einfach auf, das bringt nichts, sagte ich mir. Aber auch das war einfach nur Mist. Es gelang kein einziger guter Übergang, und schuld war nicht das Pferd. Ich sprang irgendwann einfach ab.

 

Und wer jetzt glaubt: „Ja, ja, Jeannette, ein Glas Weinschorle, das kann ja gar nicht sein, wahrscheinlich waren es fünf!“, der liegt falsch. Es war eins, und dennoch fühlte ich mich auf dem Pferd wie amputiert.

 

Test: Auf einmal talentfrei

Die Weißweinschorle hatte mein Gespür inhaliert. Es war schlichtweg futsch. So muss es sich anfühlen, wenn man komplett talentfrei ist und ohne Gefühl fürs Pferd auf die Welt gekommen ist, dachte ich mir hinterher.

 

Eins ist seit gestern klar: Für mich gilt die Null Promille Grenze auf dem Pferd.

 

Bei der Stute entschuldigte ich mich.

 

Am Tag danach versuche ich, mich wieder zum Freund meines Pferdes zu machen. Es sieht so als, als ob sie mir diese Eskapade verziehen hätte. Gutes, gutes Pferd!

 

*************

Am Wochenende gibt's im pferdiathek-Magazin immer einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Zur Einstimmung ins Wochenende spreche ich, Jeannette, hier oft über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

Ein entspanntes, wunderbares Wochenende wünscht das gesamte pferdia tv-Team! Tipp: Unsere Filme schauen sich besonders gut mit viel Muße am Wochenende. Haben wir mehrfach getestet und für hervorragend befunden!

 

 

   

Springreiten DVD FN


Passend zum Thema

Alizée Froment zu ihrer Ausbildungsphilosophie & der Arbeit mit dem jungen Pferd

Alizée Froment

Bei Vorführungen in ganz Europa beeindruckt die Französin Alizée Froment ihre Zuschauer mit Dressurlektionen auf höchstem Niveau - geritten ohne Zäumung. Beobachten Sie in diesem Video ihre Ausbildungsweise und ihr Training zu Hause mit dem jungen PRE-Hengst Aslan, der zum Zeitpunkt der Aufnahmen gerade erst zum ca. zwanzigsten Mal unterm Sattel ging.

Dauer: 16:10 Minuten

Hier geht es zum Video

Gelände- und Hindernisfahren mit dem Vierspänner

Tjeerd Velstra

Das Gelände- und Hindernisfahren mit dem Vierspänner erfordert ein hohes Maß an Präzision, Kontrolle und Feingefühl. In diesem Video demonstriert Tjeerd Velstra wie er seinem Gespann im Training zu Hause beibringt, mit Fehlern im Gelände und im Parcours ruhig und gelassen umzugehen, um brenzlichen Situationen vorzubeugen.

Dauer: 15:21 Minuten

Hier geht es zum Video

Freiarbeit am Boden & Anfänge mit gebissloser Zäumung vom Sattel aus

Alizée Froment

Alizée Froment ist vor allem für die mit Halsring gerittenen Grand Prix Lektionen und für ihre Freiheitsdressur bekannt. Mit Sultan, dem Sohn ihres Erfolgshengstes Mistral du Coussoul, demonstriert sie in diesem Video die Bodenarbeit sowie das Reiten mit gebissloser Zäumung und Halsring. Lernen Sie von der französischen Expertin worauf es dabei ankommt!

Dauer: 20:06 Minuten

Hier geht es zum Video

Geraderichten: Alles geht leichter, wenn das Pferd gerade ist!

Uta Gräf

Auch wenn ein Pferd nicht nennenswert schief ist, bleibt das Geraderichten eine Dauer­aufgabe für den Reiter. Der 6-jährige Belsasar (genannt Olli) profitiert als Beispiel für ein jüngeres Pferd, der 8-jährige „Feeling Good“ als weiter ausgebildetes Pferd von den geraderichtenden Übungen, die Uta Gräf in diesem Video zeigt.

Dauer: 17:11 Minuten

Hier geht es zum Video

Akupressur für Pferde, Teil 3: Pferdetypen nach Dr. Ina Gösmeier

Dr. Ina Gösmeier

Die Beurteilung des Verhaltens der Pferde ist für die Auswahl der Akupressurpunkte sehr wichtig. Aus diesem Grund werden die fünf Pferdetypen mit ihren charakteristischen Besonderheiten so beschrieben, dass der Zuschauer in der Lage ist, Pferde einem bestimmten Typ zuzuordnen.

Dauer: 23:27 Minuten

Hier geht es zum Video

Ballentines Teil 1: Schonende Ausbildung des dreijährigen Pferdes

Anja Beran

Der junge Hengst Ballentines v. Boston darf noch schlaksig sein! Er wird von Anja Beran schonend nach klassischen Grundsätzen ausgebildet und bekommt Zeit, sich reell zu entwickeln. In diesem ersten Teil erklärt die Meisterin die Grenze zwischen motivierender Förderung und schadender Überforderung.

Dauer: 7:26 Minuten

Hier geht es zum Video



zurück zur Übersicht

pferdia Videotipps

Das Korrekturpferd Flamingo Teil 1

Anja Beran

In dieser Videoreihe wird die besondere Entwicklung des Westfalen-Wallachs Flamingo über einen Zeitraum von vier Jahren dokumentiert. Dieser erste Teil zeigt den 8-jährigen Wallach kurz nachdem er nach einer längeren Weidepause zu Anja Beran und ihrem Team kam.

Dauer: 11:59 Minuten

Hier geht es zum Video

Weltmeyer

Jan Tönjes

Berühmter Stempelhengst, Hannoveraner-Legende, Bewegungskünstler: Weltmeyer ist wohl jedem Pferdesportler ein Begriff. Der Film porträtiert die Karriere des Ausnahmehengstes und teilt durch Zeitzeugeninterviews und Archivmaterial einzigartige Hintergrundinformationen und Erinnerungen mit dem Zuschauer.

Dauer: 55:59 Minuten

Hier geht es zum Video

Angie-Reitkurs Teil 1: Sich das Pferd zum Freund machen

Bibi Degn

Angie, der Schutzengel der Pferde, hilft Kindern in dieser Videoserie aufs Pferd. Die Kinder lernen mit Pferden und Ponys umzugehen, sie zu reiten und eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Im ersten Teil geht es um Vertrauensbildung und eine sichere Balance auf dem Pferderücken.

Dauer: 10:43 Minuten

Hier geht es zum Video

Kosmos Schleese Sattel Silent Killer

StGeorg Magazin

PM der Deutschen Reiterlichen Vereinigung

Pferdebild