So überlebt Ihr auf dem Abreiteplatz in den Klassen E und A

von Jeannette Aretz

Datum: 10.08.2017


 pferdiathekDie wissen schon, wie's geht. Ab Klasse L ist es ruhiger auf dem Abreiteplatz - aber je nach Region haben die Klassen E und A mit ganz schön erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Denn: Es ist voll! Alle Fotos: Inge Vogel  

 

Dr. Britta Schöffmann bildet Pferde und Reiter bis in höchste Klassen aus, kümmert sich aber auch mit Leidenschaft um die Grundlagenausbildung. Daher kennt sie genau das Getümmel in den unteren Klassen und hat eine Menge Tipps bereit, wie Ihr diese oft gar nicht einfache Situation am besten meistert. 

 

1.     Früh genug, aber nicht zu früh abreiten

„Gerade in E- und A- Dressuren reiten viele zu lange ab!“  sagt die Dressurausbilderin Dr. Britta Schöffmann. Der Extremfall tritt ein, wenn Kind und Pony schon zu Prüfungsbeginn auf dem Abreiteplatz sind, etliche Abteilungen jedoch vor dem Paar liegen, und „zur Prüfung das Kind fertig ist mit den Nerven und das Pony keine Lust mehr hat!“ Um das zu vermeiden, sollten Trainer und Eltern wissen, wie viel Zeit sie pro Abteilung ungefähr rechnen müssen und möglichst passgenau zum Aufwärmen auf dem Abreiteplatz ankommen. Wann das Abreiten beginnt, hängt vom Pferdetyp ab. „Habe ich ein Pferd, das nach fünf Minuten Arbeit sofort da ist, dann macht es Sinn, etwa dreißig Minuten einzuplanen, inklusive des Schrittreitens. Habe ich aber einen, der länger braucht, plane ich eher 45 Minuten ein.“  Auch wer ein Pferd dabei hat, das noch nicht viele Turniere gesehen hat, sollte viel Zeit einplanen, „so dass das Pferd Zeit hat, sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen“. Bleibt das Jungpferd unerwartet ruhig, weiß der Reiter, dass er nächstes Mal weniger Zeit einsetzen muss. 

 

 

pferdiathek SCHÖFFMANNBritta Schöffmann, Dressurausbilderin aus Leidenschaft.  

 

2.     Was tun, wenn sich der Start verzögert

„Die Reiter im E- und A- Bereich können meistens noch nicht auf den Punkt abreiten“, sagt Britta Schöffmann. Die ganz genaue Zeitplanung ist daher eher nebensächlich. Dennoch soll der Reiter oder ein Helfer ein Auge auf eventuelle Zeitverschiebungen haben, also die entsprechende Tafel im Blick behalten. Denn es kommt immer wieder mal vor, dass eine Abteilung früher oder später dran ist. Wichtig ist, auch auf Wartezeiten vorbereitet zu sein: „Es gibt Pferde, die den Eindruck haben, wenn der Zügel einmal lang ist, dann ist Feierabend“, sagt Britta Schöffmann. Ist ein Pferd in so einem Muster drin, kann es je nach Typ schwierig sein, wieder in die Arbeitsphase zu finden. Deshalb macht es Sinn, daheim bewusst solche Pausenzeiten zu üben. Also die Zügel für eine Weile hinzugeben, sie wieder aufzunehmen und weiter konzentriert zu reiten. Außerdem wäre das ein Punkt, der generell oft vergessen wird, auch im Hinblick auf Motivation und Trainingserfolg: „Die meisten Reiter machen zu wenige Schrittpausen in der Arbeit mit hingegebenem Zügel!“ stellt die Dressurausbilderin fest. 

 

pferdiathek KlimkeMit Just Paul auf einem Jungpferdeturnier - Ingrid Klimke auf dem Abreiteplatz.

 

3.     Was tun, wenn der Abreiteplatz viel zu voll und chaotisch ist

Hier ist abwägen gefragt: Ist der Abreiteplatz so überfüllt, dass kaum mehr daran zu denken ist, einen Zirkel zu reiten? Dann ist es vielleicht klug, nur mit ein paar Schritt-Trab-Übergängen sein Pferd zu lösen, empfiehlt Britta Schöffmann. „Wenn es nur noch ums durchfädeln und aufpassen, dass mich niemand ausbremst geht, dann bringt das gar nichts. Dann reduziere ich das Reiten von Lektionen, denn je häufiger der Reiter ausgebremst wird, desto unwilliger wird das Pferd. Also nicht versuchen, auf einem rappelvollem Abreiteplatz einfach sein Ding durchzuziehen!“ Sie selbst hat sogar mal einen Vierjährigen in einer Jungpferdepüfung nur im Schritt abgeritten, weil alles andere sinnlos erschien – manchmal braucht es solche Notlösungen. Das Pferd wurde übrigens dennoch platziert. 

 

pferdiathek KlimkeDer Abreitplatz soll keine Angst machen - wichtig auch für junge Pferde!

 

4.     Was Begleiter tun können

Ganz wichtig: Ruhe ausstrahlen! Es hilft nichts, wenn sich die Begleitpersonen über die Umstände aufregen. Wenn es voll ist, helfen Handlungsanweisungen und Gelassenheit. Erst recht, wenn die Stimmung generell schon eher aufgeladen ist, wie das durchaus vorkommen kann. Da schimpfen Reiter miteinander, da brüllen Eltern etwas über den Platz. Britta Schöffmann sagt ihren Schülern dann zum Beispiel: „Das ist hier ein ziemliches Getümmel. Lass’ dich nicht provozieren, versuche ruhig Deine Runden zu reiten.“ Viel Kritik ist nicht mehr angesagt, aber konstruktive Tipps sind gut. Zum Beispiel, beim vollen Platz: „Reite jetzt heute keine Volten, das passt hier nicht, bleib’ schön ganze Bahn“. Wenn es zu voll ist kann man bei zu viel Gegenverkehr und Chaos auch nachfragen, ob auf dem Abreiteplatz nur auf einer Hand geritten werden könnte. Dieses Anliegen richtet man an den Aufsicht führenden Richter.

 

pferdiathek KlimkeZeit lassen und Ruhe vermitteln - das gilt für Reiter wie für das Begleitpersonal, die TTs.

 

5.     Was tun, wenn nichts klappt

Zuhause war doch alles prima, und auf dem Turnier gelingt schon auf dem Abreiteplatz nichts? „Man kann das nicht bis ins kleinste Detail vorher simulieren und üben“, sagt Dr. Britta Schöffmann, „vieles regelt sich über Routine.“ In der Situation selbst rät sie dazu, ein oder zwei Wiederholungen zu reiten, wenn auf dem Abreiteplatz etwas nicht gelingt – „aber dann etwas anderes!“ Ansonsten käme zu viel Spannung in die Reiterei, „und dann geht’s in der Prüfung daneben.“ Die Regel lautet also: Auf dem Abreiteplatz nicht mit dem Pferd streiten! Damit sich das Pferd an die Situation gewöhnt, ist Gewöhnung via Desensiblisierung notwendig. „Das Pferd in verschiedenen Hallen und Anlagen zu reiten hilft enorm, die merken dann, das ist ja gar nicht so schlimm, sehen fremde Pferde und lernen: Danach geht's wieder nach Hause“, sagt  Britta Schöffmann. Wichtig ist außerdem, nach dieser Vorbereitung auch regelmäßig Turniere zu starten. „Im Bereich der A-Dressuren ruhig mal eine zeitlang jedes Wochenende losfahren, damit es fürs Pferd normal wird“, erklärt die Ausbilderin. „Viele haben da Angst vor einer Überforderung des Pferdes, wenn sie wöchentlich starten, aber auf E- oder A-Niveau kann man davon nicht sprechen. Das hat nicht so eine hohe Intensität wie eine S- oder Grand-Prix-Prüfung, beispielsweise.“ Durch die gewonnene Routine wird es dem Pferd viel leichter fallen, sich auch beim Abreiten auf den Reiter zu konzentrieren. Nach dieser Gewöhnungsphase können dann wieder größere Abstände zwischen den Turnierstarts eingehalten werden.

 

pferdiathek Die Profis: Le Noir von Uta Gräf am Strick vor großer Kulisse. 

  

 

Viel Freude und Erfolg auf Euren Turnieren!

 

 

   

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