Kann es mehr als ein Pferd des Lebens geben? Eine Liebesgeschichte.

von Jeannette Aretz

Datum: 05.11.2017


 pferdiathek a life with horses 

Nein, das ist nicht Alizée Froment! Eines der herrlichen Bilder von Hermi Schipflinger auf ihrem Remolino. Foto: Sabine Grosser

 

Ich kenne viele Menschen, die gut über ihr Pferd sprechen. Ach was, die davon schwärmen, denen man die Verliebtheit in jedem Satz anmerkt.

Aber ich glaube, ich kenne niemanden, der das so unendlich dankbar und groß ausmalt in Worten wie Hermi Schipflinger. Wenn sie von Remolino spricht, dann ist da so viel Ehre für das Pferd, so viel Innigkeit, dass es mich jedes Mal verzückt. Die beiden sind ein besonderes Paar. Sie sind im Adventskalender für Pferdemenschen zu sehen, und waren bei der Abstimmung zum Titelbild Zweite.

 

Eine innige Bindung

Auf jedem Bild von diesem Schimmel und dieser Frau ist Verbundenheit zu spüren. Die immer da war, aber doch stark erkämpft wurde von Hermi. Wie das sich entwickelte, werdet Ihr in den nächsten Zeilen erfahren. Lasst mich kurz eines vorweg nehmen: Remolino ist in diesem Jahr gestorben. Ich kenne die beiden aus der Ferne seit einigen Jahren, und insgeheim habe ich mich immer gefragt, wie wohl Hermi ohne Remolino jemals auskommen soll. Ihr werdet bald verstehen, warum ich das so unvorstellbar fand.

 

Hermi ist eine starke Persönlichkeit. Sie hat einen jungen Lippizaner, den sie schon vor Remolinos Tod kaufte – und den sie mit offenem Herzen in ihr Leben ließ. Es geht weiter. Es gibt eine neue Liebe. Selbst, wenn man so verbunden war, wie Hermi mit Remolino. Auf allen Bildern, die ihr hier und im Kalender seht, seht Ihr das Resultat: Ein Paar. Die Fotografin Sabine Grosser entdeckte die beiden, und erzählte mir von ihnen. Hermi konnte Remolino in allen möglichen Dressurlektionen reiten, auf der Weide wie auf dem Platz, frei ohne Kopfstück ebenso. Es sind Bilder, die eine Sehnsucht auslösen, und deshalb habe ich sie ausgesucht. Sie zeigen das Einssein, sie zeigen den Grund, warum wir alle Pferdeliebhaber sind und warum viele von uns gern reiten. Für diese Momente, die die meisten Menschen nur ab und an erleben. Diese beiden hatten sie häufig. Aber der Weg dorthin, der war nicht leicht.

 

Beide haben eine Vorgeschichte

Was Hermi geleistet hat, wird noch klarer, wenn man weiß, dass sie durch einen Unfall vor Jahren permanent Schmerzen hat. Ihre Hüfte war vielfach gebrochen. Reiterin war sie schon vor dem Unfall, Remolino kaufte sie danach: Ein ungestümes Jungpferd mit allerlei Altlasten aus Spanien. Wie das genau war, erzähle ich übrigens in der kommenden Ausgabe der Feinen Hilfen.

Remolino war ihr Ein und Alles. Er wohnt bei ihr daheim, auf dem elterlichen Hof in den Bergen, die Boxennachbarn sind zwei zahme Schweine und zwei Haflingerdamen. Sie sagte mir schon in unserem ersten Gespräch vor vielen Jahren: „Ich weiß nicht, ob es mich ohne Remolino noch geben würde.“ Das Pferd war ihr in vielen schweren Zeiten der wichtigste Halt.

 

Passage auf der Weide

Wie nah sie sich sind oder waren, wird in vielen kleinen Gesten sichtbar: Sie sonnt sich auf seiner Weide, er stupst sie sanft mit der Nase an. Der Schimmel folgt ihr ohne Halfter und Strick zur Weide, und wenn die beiden reiten gehen, dann mal mit Zaumzeug, mal ohne. Traversalen, erste Passage-Tritte, Galoppwechsel, all das kann der Schimmel. Einige Bilder mehr von den beiden sind übrigens direkt auf dem Blog zu sehen. Zur Dressurreiterin wurde sie erst mit diesem Pferd – als sie noch gesund war, war sie zufrieden mit Wald- und Wiesenritten. Wenn sie aufsteigen möchte, parkt Remolino millimetergenau neben der Aufstiegshilfe. Bis er exakt so dasteht, dass Hermi Schipflinger trotz ihres nicht ganz so beweglichen linken Beins aufsitzen konnte.

 

Der schwere Beginn

Das alles war anfangs undenkbar. Remolino hatte eine denkbar kurze Leitung und war durchaus nicht ungefährlich für seine Reiterin – steigen oder bocken kam vor, und nicht sofort fand Hermi Schipflinger Ausbilder, die ihr helfen konnten.

Geholfen bei der Umschulung zum Reitpferd hat ihr schließlich Reitlehrer Thomas Zipl. Ein junger Mann, der die klassische Reitweise pflegt, und den richtigen Draht zu Pferd und Schülerin fand. Er wiederum hat bei Marie Symbill gelernt, erzählt Hermi Schipflinger. Zwei Lehrwerke dieser Ausbilderin gibt es übrigens auch bei pferdia, ein Buch über den Damensattel und ein ausführliches Buch zur Dressurausbildung. Innerhalb von nur drei Jahren schulen sie im Team das Pferd vom Steiger und Buckler zu einem Vorzeigepferd um. Freiwilligkeit und Lob ist ganz wichtig für die Drei, denn Remolinos explosive Reaktionen kamen stets auf, wenn er vor etwas Angst hatte. Was er in Spanien alles erlebt hatte, ist unbekannt – aber das Verhalten wird seine Gründe gehabt haben.

 

Wie weiter, nach der großen Liebe?

Im August diesen Jahres musste Hermi Schipflinger Remolino einschläfern lassen. Davor standen viele Monate mit der Stoffwechselkrankheit Cushing. Wir schreiben einander sofort, es fällt mir schwer, mir eine Hermi ohne ihren Remolino vorzustellen. „Mein Goldschatz Remolino hat mir so viel Freude und wunderschöne, glückliche Momente bereitet“, erzählt sie. Der Verlust wäre immer noch seltsam, fast nicht wahr für sie, doch das junge Pferd tröste. Der Lippizaner ist momentan in der Kutschpferde-Ausbildung – ein neues Kapitel beginnt. Doch diese herzliche Dankbarkeit und das Annehmen des Charakters, egal, wie er denn ist, das ist nicht nur die Verbundenheit zwischen Hermi und Remolino – das ist auch einfach Hermi Schipflingers Sicht auf die Welt. Und die tut gut: „Amena hat so viel Herzlichkeit und Liebe in sich, dass ich es kaum glauben kann“, schreibt sie. „Und ich habe das alles Remolino zu verdanken, der ein so wunderbares Wesen ist und war.“ Das nennt man wohl bedingungslose Liebe. Etwas, das so viele Türen öffnet.

 

P.S.: In meinem ADVENTSKALENDER FÜR PFERDEMENSCHEN (den ihr HIER im pferdia-Shop bestellen könnt) findet Ihr weitere Motive mit Hermi Schipflinger. 

 

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Einmal die Woche gibt's hier im pferdia-Magazin einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Zur Einstimmung ins Wochenende spreche ich, Jeannette, hier oft über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

Ein entspanntes, wunderbares Wochenende wünscht das gesamte pferdia tv-Team! Tipp: Unsere Filme schauen sich besonders gut mit viel Muße am Wochenende. Haben wir mehrfach getestet und für hervorragend befunden!

 

 

   

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