Buchvorstellung: Anja Berans "Aus Respekt!"

von Jeannette Aretz

Datum: 16.11.2017


 pferdia Anja Beran Aus Respekt KosmosAnja Beran, Dressurausbilderin. Sie selbst hat von Marc de Broissia und Manuel Jorge de Oliveira über Jahrzehnte gelernt.  Alle Fotos: Maresa Mader für den Kosmos Verlag

 

- Dieser Artikel beinhaltet Werbung -

 

Anja Berans Buch "Aus Respekt!" ist neu aufgelegt worden. Schon mal reingeguckt? Wenn nicht: Es lohnt sich. Auch für alte Hasen. Weshalb ich sogar überrascht war, und es jetzt am liebsten gleich fünf Reitfreundinnen von mir schenken würde, habe ich für Euch aufgeschrieben.

Diese Buchbesprechung beginnt mit einem Geständnis: Ich habe „Aus Respekt!“ zwar immer als neuen Klassiker in meinem Gehirn gespeichert, aber bis vor wenigen Wochen hatte ich das Buch noch nicht gelesen. Eine absolute Lücke, ja! Ich gestehe es und schäme mich ein bisschen.

Das Buch erschien erstmals vor 13 Jahren und wurde nun neu aufgelegt. Erwartet habe ich einen Klassiker der feinen klassischen Dressur – einen Schinken, der etwas Mühe kosten wird. Gespickt mit super vielen richtig guten Fotos, wie man das eben von Anja Beran kennt.

Doch – ich habe mich geirrt!

 

pferdia Anja Beran Aus Respekt Kosmos Das Pferd trägt in gesunder Haltung den Menschen - das ist das Ziel.

 

Also nicht in Bezug auf die Fotos. Sondern in Bezug auf die Mühe. Dieses Buch ist nicht nur etwas für Kenner und Leute, die eh schon einen sehr weiten Pferdehorizont haben. Es ist ein Grundlagenbuch, ein Wegweiser, das jedoch auch Menschen mit fortgeschrittenem Background nicht langweilt. Und es ist sehr praktisch orientiert – es finden sich genaue Beschreibungen, wie welche Übungen und Ausbildungsschritte erreicht werden. Das ist sein absolutes Plus, und darin überzeugt das Buch. Später daher ausführlich mehr zu diesem Punkt.

 

pferdia Anja Beran Aus Respekt Kosmos Wie und wann wird gelobt und motiviert - auch das ist Thema im Buch.

 

Der Untertitel ist zugleich Wegweiser und die knappeste Zusammenfassung des Buches, die man sich vorstellen kann: „Reiten zum Wohle des Pferdes“ heißt sie. Los geht es mit den absoluten Basics – wie wählt man einen Reitlehrer aus? Wie soll der Reiter sitzen? Welches Pferd eignet sich wofür?

 

Persönliche Vorlieben – geradeheraus geschildert

Das sind einerseits ganz grundlegende Fragen, wie sie in jedem Einsteigerbuch gestellt werden. Jedoch bringt Anja Beran stets ihre persönliche Note mit ein. Zum Beispiel beim Thema Pferd:

 

„Für die klassische Reitkunst, wie ich sie betreibe, bevorzuge ich das iberische Pferd, speziell den Lusitano.

Gerade er wurde über Jahrhunderte für genau das gezüchtet, was ich gern reiten möchte.

Er ist ein sehr sensibles Hochleistungspferd mit außerordentlicher Versammlungsbereitschaft.

Er ist wendig, beweglich und will unbedingt gefördert werden.“

 

Das ist etwas, das oft in Vergessenheit gerät, denn ein imposanter Trab ist von jedermann zu erkennen. Doch genau den Trab kann der Reiter verbessern in der Ausbildung. Schritt und Galopp sind kaum und weniger beeinflussbar.

Dabei wendet sie sich an einen Leser, der die klassische Reitkunst erlernen möchte und auch Pferdebesitzer-Entscheidungen zu treffen hat. Themen wie Stallsuche, Reitlehrerwahl und Ausrüstung werden besprochen.

 

Ein Leitfaden für die Dressurausbildung

In den nächsten Kapiteln, also zu 75 Prozent des Buches, geht es dann um das Reiten an sich. Die Ausbildung des Reitpferdes wird vom Anreiten bis zu den höchsten Lektionen vorgestellt. Damit ergibt sich ein Leitfaden für die Ausbildung. Natürlich kann diese nicht komplett in einem Buch für alle Eventualitäten dargestellt werden. Doch es hat großen Mehrwert, in einem zu sehen, wie der rote Faden verlaufen sollte, warum welche Aufgabenstellung zu welcher Zeit sinnvoll ist.

 

pferdia Anja Beran Aus Respekt Kosmos Zeigen ein Renvers: Gawain und Silvia Wimmer

 

Wie geht Renvers?

Im Zuge dessen kombiniert die Autorin Grundlagenwissen und fortgeschrittenes Wissen: Anja Beran erklärt zum Beispiel die Funktion des äußeren Zügels. Und ein paar Seiten davor erklärt sie, wie ein Renvers korrekt aussehen sollte. Wie sich das Pferd dabei bewegt und wie der Reiter sitzen sollte. Sehr schön: Dass sie versucht, das Gefühl, dass der Reiter bei dieser Übung im Sattel hat, in Worte zu fassen:

 

„Bei diesem und allen anderen Seitengängen sollten Sie im Sattel spüren, wie Ihr Pferd den Rücken aufwölbt, sich kräftiger anfühlt und leicht in der Hand wird.

Haben Sie ein anderes Gefühl, sollten Sie von einem Fachmann die Korrektheit Ihrer Seitengänge überprüfen lassen.

Ein weiteres Kriterium für korrekte Seitengänge ist der gleich bleibende Takt und der vermehrte Ausdruck des Pferdes im Gang.

Das Pferd wird erhabener und immer mobiler.“

 

  

pferdia Anja Beran Aus Respekt KosmosIllustration zur Hilfengebung im Renvers...
pferdia Anja Beran Aus Respekt Kosmos ...und zur korrekten Abstellung und Biegung. 

 

Plädoyer gegen Schlaufzügel

Dem Titel „Aus Respekt!“ wird das Buch in jedem Kapitel gerecht. Im Zusammenhang mit der Ausbildung erklärt Anja Beran stets, wo Fallstricke lauern und wann die Ausbildung in schlechte Richtungen abdriften kann. Deutliche Worte findet sie in ihrem Plädoyer gegen Schlaufzügel:

 

„Wer glaubt, dass Schlaufzügel keinen Zwang oder rohe Gewalt darstellen,

der sollte sich einmal über die Kräfte Gedanken machen, die da walten.

Hat man das verinnerlicht, erübrigt sich jedes ABER und jede Schönrederei!“

 

 

pferdia Anja Beran Aus Respekt Kosmos Das junge Pferd darf die Kopf- Halshaltung frei wählen.

 

pferdia Anja Beran Aus Respekt KosmosEine gute Atmosphäre zwischen Pferd, Reiter und Ausbilder ist wichtig. 

 

Die Passage ausbilden

Das ist nichts Neues für Sie? Nun, vielleicht dann das: Anja Beran beschreibt im Buch auch, wie sie aus der Piaffe die Passage entwickelt. Oder, wenn das nicht der richtige Weg je nach Pferd ist, wie sie die Passage aus dem versammelten Trab heraus entwickelt. Und zeigt hier und an anderen Stellen im Buch, dass es immer mehrere Wege zum Erarbeiten von Übungen gibt, und das Pferd jeweils vorgibt, welcher der richtige ist. Außerdem erzählt sie von anderen Methoden, den Pferden dies beizubringen, und erklärt, warum sie diese nicht wählt. Ein Beispiel:

 

„Wählen Sie, um Ihr Pferd anzupassagieren, nicht die Methode, es im starken Trab nach vorne zu schicken und dann aufzunehmen,

um durch Gegenhalten mit der Hand und energischem Treiben künstliche, verspannte Schwebetritte zu erreichen.

Dies funktioniert von vorne nach hinten, Sie kaufen Energie und Schwung ab,

anstatt aus dem versammelten Tempo Schwung und Energie von hinten nach vorne zu bringen.“

 

Bemerkenswert: Anja Beran schlägt so in ihrem Buch den Bogen vom Anreiten bis zu dem Erarbeiten der schwierigsten Dressurlektionen.

 

Fotos zeigen positive Beispiele

Bleibt noch zu sagen, dass das Buch voll von hervorragenden Lehrfotos ist. Gezeigt werden viele Iberer, aber auch Haflinger und Warmblüter. Angehängt ist auch ein Briefwechsel zwischen Gerd Heuschmann und Anja Beran, indem die Ausbilderin dem Tierarzt für Pferde Fragen zum Zusammenhang von Ausbildung und Pferdegesundheit stellt. Das Buch schließt mit einem Kapitel des Tierarztes mit Erläuterungen zu Skelett und Muskulatur.

 

 

>>> Ein Buch, dass sich hervorragend als Geschenk für Menschen, die in der klassischen Reitkunst zuhause sein möchten, eignet. Empfehlenswert für wissensdurstige Einsteiger wie Fortgeschrittene gleichermaßen. Erschienen in der Neuauflage bei Kosmos und kostet 34,90 Euro. Alle Fotos und Illustrationen wurden mit freundlicher Genehmigung vom Kosmos Verlag dem Buch entnommen.

 

 

Tipp: Das Buch mit der bahnbrechenden DVD „Blickschulung – pferdegerechte Ausbildung erkennen“  von Anja Beran verschenken, die wir HIER besprochen haben! 

 

   

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