Das Jahr dazwischen - was die Galoppwechsel besser machte

von Jeannette Aretz

Datum: 15.12.2017


pferdia Dr Britta Schöffmann GaloppwechselGoldie schnurt die schönsten, gleichmäßigsten Wechsel nur so dahin. Fotos: Inge Vogel

 

Die Pferde der Schüler von Dr. Britta Schöffmann haben sich ganz schön entwickelt im vergangenen Jahr! Deshalb zeigen wir drei von ihnen in einem neuen kleinen Film zum Thema Galoppwechsel (HIER). Wie die Fliegenden anfangs erarbeitet werden, konntet Ihr in Teil 5 unserer Reihe "Reiten gut erklärt" sehen (die einzelnen Streaming-Filme zum Thema sind unter dem Text eingefügt). Im Sommer danach sehen die Wechsel schon ganz anders aus!

 

Die braune Stute, die in den ersten Versuchen noch hektisch reagierte und deshalb erst mal über Cavaletti umspringen durfte, bringen die Fliegenden nicht mehr aus der Fassung. Die Palomino-Ponystute, die gar nicht umsprang, sondern sogar über dem Cavaletto im Außengalopp blieb, springt den Wechsel inzwischen sauber und schön bergauf und ist sogar schon M-platziert. Und M-Sieger Goldie, der immer alles richtig machen möchte, ist im neuen Film mit glänzenden Serienwechseln zu sehen (hier ganz am Ende des neuen Films). In einer ungeschnittenen Sequenz zeigt Reiterin Lena Backes mit ihm Dreier-, Zweier- und Einerwechsel hintereinander. Und das liefert er ganz gleichmäßig gut ab – beeindruckend!

 

Bleibt zu fragen: Wie sieht die Arbeit dazwischen aus?

 

Skala der Ausbildung

„Eigentlich unspektakulär“, sagt Britta Schöffmann. „Man kann ja nichts unabhängig vom anderen betrachten. Mit der entsprechenden Basisausbildung, also dem Beachten und Umsetzen der Skala der Ausbildung kommt ja irgendwann auch die Versammlung. Das daraus erfolgte gesetztere Galoppieren, bergauf und mit gut arbeitendem Hinterbein, das ermöglicht eben auch gute Galoppwechsel."

 

pferdia Dr Britta Schöffmann GaloppwechselSauberes Wechseln von Anfang an - Britta Schöffmann hat gute Tipps dafür.

 

Touchieren in Maßen

Grundsätzlich hätte sich bei allen Pferden die Durchlässigkeit verbessert. Zum Beispiel auch über das Reiten vieler einfacher Wechsel. Manchmal hätte es auch den Impuls gebraucht, um den Wechsel zu initiieren: Das kann zum Beispiel das Touchieren mit der Gerte am neuen inneren Hinterbein sein. „Das funktioniert oft bei Pferden, die lange im Außengalopp geritten wurden, also nicht umspringen sollten, und einfach nicht wissen, was sie nun auf einmal machen sollten. „Das Touchieren muss in Maßen erfolgen, das Pferd darf keine Angst bekommen, aber es soll die Idee bekommen, umspringen zu wollen! Also nicht draufhauen, sondern berühren! Touchieren eben."

 

Inneres Bild: Die Treppe hoch galoppieren

Im neuen Film über die Galoppwechsel erwähnt sie das Bild „Stell’ Dir vor eine Treppe hinauf zu galoppieren!“ Warum funktioniert dieses Bild für viele Reitschüler als Idee, die einen aufwärtsgesprungenen Galopp unterstützt? „Dieses Bild nutze ich oft für die Versammlung, damit die Reiter nicht denken, wenn sie versammeln, dann sollen sie bremsen oder langsam reiten“, erklärt die Ausbilderin. „Sie sollen vielmehr in die Rücknahme hinein treiben, damit das Pferd kürzer tritt beziehungsweise springt  und so quasi auf die nächste Treppenstufe hoch kann“, erklärt sie. „Im nächsten Augenblick soll der Reiter die Bewegung jedoch wieder herauslassen, damit der Bewegungsfluss nach aufwärts erhalten bleibt. Dies eben in Gedanken Stufe für Stufe – also Tritt für Tritt oder Sprung für Sprung."

 

 

pferdia Dr Britta Schöffmann Galoppwechsel Die Stute Sunny blieb anfangs im Außengalopp, es war verhältnismäßig schwierig, ihr die Idee zu geben, umzuspringen.

 

Wenn das Pferd im Außengalopp bleibt

Die Palominostute Sunny im Film war ein ganz besonderer Fall: Sie wollte anfangs partout nicht wechseln, selbst über ein Cavaletto mit folgendem Handwechsel sprang sie zunächst ohne umzuspringen. „Die blieb eisern brav im Außengalopp“, sagt Britta Schöffmann und lacht. „Ich habe dann der Reiterin Lena den Tipp gegeben, das Cavaletto wie einen S-Bogen anzureiten und schon über dem Cavaletti einen Richtungswechsel zu machen, so wie ein erfahrener Springreiter, der den Weg abschnibbelt“, erzählt sie. Das habe dann schließlich dazu geführt, der Stute eine neue Idee zu geben. Doch einmal verstanden, sollte die Übung dann schnell abgewechselt werden: „Zu lange sollte man so nicht üben, denn beim Wechseln über ein Hindernis entwickeln manche Pferde Nachspringen.“ Es ist also vor allem dafür geeignet, dem Pferd eine Idee zu geben, damit es sich traut, mal zu wechseln, und der Reiter dies dann sofort loben kann.

 

Regel für den fliegenden Galoppwechsel

Wichtig beim Erlernen des Galoppwechsels ist: „Das ist nichts für einen darin ungeübten Reiter!“, erklärt Britta Schöffmann. „Schnell etabliert sich ein falscher Bewegungsablauf, und es ist viel schwieriger, den dann zu korrigieren als es direkt richtig zu lernen.“ Wichtig sei aber auch für erfahrene Reiter, jemanden am Boden stehen zu haben, „der mitschaut, denn es gibt Pferde, die springen so geschickt nach, dass man es oben kaum spürt.“ Ein kleiner Tipp für Ausbilder: Britta Schöffmann sagt dann bewusst entweder „Gut!“ oder „Nein!“ um einen Wechsel zu kommentieren, und nicht „Ja!“ und Nein! 'Ja' klingt beim Rufen nämlich ähnlich wie 'nach' und kann vom Reiter falsch verstanden werden.

Grundregel für alles, aber auch für den Wechsel ist: "Schlechtes ignorieren, Gutes loben. Bestraft wird nichts."

 

pferdia Dr Britta Schöffmann Galoppwechsel Der Ponywallach Golden Moon, genannt Goldie, springt die Wechsel auch auf Halsring. 

 

Wann man die Strategie ändern sollte

Welcher Weg für welches Pferd der Richtige ist, um den fliegenden Wechsel zu erlernen, muss immer wieder neu herausgefunden werden. Aber wann weiß man, das funktioniert so nicht? „Spätestens wenn ich eine 1:10 Quote habe, also ein mal gut, zehn Mal nachgesprungen, muss ich etwas ändern“, erklärt die Ausbilderin. Dann überlege sie, ob es eine Übung gibt, die besser passe. "Entweder eine ganz andere Linienführung wählen. Oder eine Acht im Galopp reiten mit Handwechseln über den Schritt. Die Zahl der Schritte dabei nach und nach reduzieren, von anfangs vier bis zuletzt auf einen. Das verbessert Versammlung und Durchlässigkeit und bei manchen Pferden endet es in einem Fliegenden."

 

Den fliegenden Wechsel zu erlernen ist die eine Sache, Serienwechsel eine ganz andere. Beeindruckend zeigt das Pony Golden Moon im neuen Video, dass saubere Dreier-, Zweier- und Einerwechsel keine Frage von gigantischer Bewegungsqualität sind, sondern von sorgfältiger Ausbildung und einem gelassen-aufmerksamen Pferd mit motiviertem Geist.

 

Das Leistungskerlchen

Hübsches Detail: Im Film hört man, wie Britta Schöffmann lobend zum Pony Golden Moon sagt, nachdem er die beeindruckenden Wechsel zeigte: „Goldie, wer hätte gedacht, dass Du das alles mal lernst!“ 

Ein Jahr zuvor probierten sie beim Filmdreh zur DVD die ersten Einerwechsel. Irgendwann im Winter klappten sieben Stück nacheinander, und inzwischen surrt er sie alle ganz gleichmäßig dahin, egal, ob es nun Zweier oder Einer sein sollen. „Er ist einfach unglaublich lernbereit und sagt bei allem: „Dann versuche ich das mal! Ein Leistungskerlchen, ist das, ein Schleifenpony, das immer mit macht.“

 

Springreiten DVD FN


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