Weshalb Lob Pferde ehrgeiziger macht

von Jeannette Aretz

Datum: 12.02.2018


pferdia a life with horses

Loben - kann jeder. Nur: wie viel, wann, und merkt man immer, wann es notwendig wäre? Das Bild zeigt unsere schöne Blonde, Reitpony Chamonix.  Foto: Klara Freitag

 

Ich habe eine Neuentdeckung auf Instagram gemacht: Die Ausbilderin Julia Mestern ist da recht neu dabei. Sie ist als (wagemutige) Vielseitigkeitsreiterin bekannt, und bildet seit vielen Jahren Pferde in Dressur wie Vielseitigkeit aus. Ein Instagram-Post aus der letzten Zeit traf mich voll, denn ich bemerkte: Kenne ich. Könnte ich selbst besser machen. Ich glaube, das geht vielen Reitern so, deshalb muss ich es unbedingt aufschreiben! Es geht um’s Loben, und warum man das im Sattel weniger tut als an der Hand.

 

Es war nur ein Halbsatz über die Arbeit an der Hand und ein Pferd, das es noch nicht so gut fand, mit der Gerte an den Hinterbeinen touchiert zu werden. Julia schrieb: „Da liegt Arbeit und viele Leckerlis vor uns!“

 

Das war das erste „Aha, kenne ich!“, und dann ging es noch mal um das Loben, in einem anderen Post. Wie oft und wann man lobt. Dass die Pferde stolz werden an der Hand und ehrgeizig.

 

Loben macht ehrgeizig

Das kenne ich – und zwar ist es bei mir an der Hand stärker so als unter dem Sattel. An der Hand werden sie wahnsinnig ehrgeizig und lernen super schnell. Übertreten, anhalten, Hinterbeine ranholen im Stand, Schulterherein, Travers – sitzt mittlerweile ganz ordentlich. Sie wollen und sind stolz auf sich, das ist für mich das Wichtigste daran! Es ist nämlich wahnsinnig schön, das zu sehen, wie aus einem unsicheren Pferdchen ein stolzes wird.

 

Weshalb ist das so vor allem an der Hand? Ich glaube, dieser Ehrgeiz entwickelt sich, weil ich an der Hand viel und auch überschwänglich lobe. Ich mache kleinste Schrittchen, gebe mich mit Ansätzen zufrieden und mache viele Pausen.

 

Im Sattel kann ich mich jetzt nicht beschweren, dass die Damen keine Lust hätten, aber dieser „Wow, was willst Du? Hey, mach ich Dir!“-Ehrgeiz, den haben wir nicht ständig und immer.

 

Ich glaube, das liegt am Loben. Ich bin am Boden viel objektiver und kann schneller bewerten, also Rückmeldung geben mit Stimme und Leckerli. Auch, weil mein eigener Körper mir da nicht im Weg ist. Im Sattel denke ich oft: "Mmmmhh, das war noch nicht so toll, lieber noch mal so und so und so." Dieses ganz kleinschrittige Loben mit viel Pausen dazwischen, das verpasse ich durch diesen inneren Kritiker ab und an.

 

Das geht glaube ich vielen Reitern so. Mal schnell mit der Hand an den Widerrist klatschen als Lob - ja, das war es dann aber auch oft schon. Dabei ist es so einfach eigentlich, sich wahrlich zu freuen, auch über kleine Schritte. Man muss sich selbst bloß dazu erziehen, das auch zu tun.

 

Genau beobachten, ohne Emotion, möglichst objektiv

Deshalb habe ich mir Julia Mesterns Instagram-Post gemerkt und versuche jetzt jedes Mal im Sattel auch daran zu denken: Pausen haben noch niemandem geschadet. Im Gegenteil, dadurch geht es schneller voran! Man muss nur dran denken, und das ist bekanntlich nicht so einfach! Schön unemotional reiten, damit man eben genau beobachtet, statt sich selbst zu kritisieren und so die guten Momente zu verpassen.

 

 

Filme zum Thema Motivation & Lob

Übrigens findet Ihr auch bei unseren pferdia-Ausbildern natürlich viel Input zum Thema Lob. Nina Steigerwald nutzt das zum Clickern, Britta Schöffmann erklärt in diesem Film genau, wie Pferde lernen, und was das mit Lob zu tun hat, Uta Gräf und Stefan Schneider sind darin genauso gut wie Bea Borelle und Philippe Karl. Alles Menschen, die wissen, wie man Pferde motiviert. Eigentlich könnte ich unsere gesamten Ausbilder hier aufzählen - Anja Beran, Ingrid Klimke, Peter Kreinberg - sie alle machen das und es ist Teil ihres großen Erfolgs.  

 

Viel Freude dabei – und beim Loben, von wo aus auch immer!

 

 

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Einmal die Woche gibt's hier im pferdia-Magazin einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Hier spreche ich, Jeannette, über Motivation & Gedanken zum Reiten und erzähle, was ich so mache, wenn ich gerade nicht am Laptop sitze und über berühmte Pferde und Menschen schreibe. 

 

 

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