Was Du sagen kannst, wenn das Pferd einer Freundin stirbt.

von Jeannette Aretz

Datum: 07.05.2018


pferdia a life with horses Tod Pferd stirbt

Wegbegleiter für so lange: Es ist nicht leicht, wenn ein Pferd geht. Foto: Klara Freitag

 

Wenn ein Pferd gestorben ist, wissen viele nicht, wie sie damit umgehen sollen. Den Besitzer am besten gar nicht ansprechen? Etwas sagen, aber was bloß? Eine Sammlung von hilfreichen Dingen.

 

Eigentlich wollte ich diese Woche über Seitengänge hier im Blog schreiben. Wie schön das ist, dass es für die Schiefe des Pferdes genau die richtigen "Medikamente" gibt. Welcher Seitengang welches Thema kuriert. Gerade jedoch erscheint mir das ziemlich nebensächlich. Das Pferd einer guten Bekannten musste an diesem Wochenende plötzlich eingeschläfert werden. Es ist das zweite tote Pferd in meinem Bekanntenkreis in diesem Jahr. In beiden Fällen steckten besondere Pferd-Mensch-Liebesgeschichten dahinter. Die zehn, zwanzig, fast dreißig Jahre andauerten.

 

Ich kenne solche Situationen selbst. Extreme Tage und Nächte, in denen ich entscheiden musste, ob und wann eingeschläfert wird. Eine wahnsinnige Zeit, die, so abstrus das klingt, auch etwas Schönes hat, weil extreme Situationen eben auch binden, Mensch an Tier und Tier an Mensch und Mensch an Mensch. Alles ist intensiver. Es ist ein Prozess, oft zumindest, wie Geburt, nur eben umgekehrt. Da ist gar nicht so viel Platz für Verzweiflung. Aber danach, wenn das Pferd tot ist und alles Praktische geregelt ist, dann ist es furchtbar. Es ist leer und abstrakt und irgendwie versucht man dann zu verstehen, was da eigentlich passiert ist.

Wenn ein Pferd gestorben ist, wissen viele nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Was sie dem Besitzer sagen sollen. Sagt man „Herzliches Beileid“, wenn ein Pferd gestorben ist? Ich kann Dir zumindest erzählen, was mir in solchen Situationen geholfen hat. Und den paar Menschen, die Ähnliches erlebt haben und mit mir darüber gesprochen haben. Also:

 

  1. „Es tut mir leid.“ So einfach, so gut. Kann man auf jeden Fall sagen. Vorausgesetzt, es stimmt. Kaum etwas ist ekelhafter, als scheinbares Beileid. 
  1. „Es ist besser so.“ Stimmt vielleicht, kommt aber nicht besonders gut an. Ich kenne zumindest keinen Trauernden, der diesen Spruch hören wollte oder sich damit trösten konnte.
  1. Nichts Auflockernd-Gemeintes, nichts Witzig-Gemeintes sagen. Geht so gut wie immer schief. Traurig ist traurig.
  1. „Es ist immer zu früh, egal wann sie gehen.“ Das ist ein Beileidsspruch, den ich gut akzeptieren konnte – und die Menschen, die auch schon mal in der Situation waren und mit denen ich darüber gesprochen habe, auch.
  1. Gemeinsame Erinnerungen teilen. Ob ein Foto oder eine erzählte Erinnerung ist egal – es tut einfach sehr gut, zu hören, dass andere dieses Tier gut in Erinnerung haben. Mir war es egal, ob ich so etwas über Direktnachrichten, per Facebook oder in echt, zum Anfassen als Papierfoto, bekommen habe. Ich habe mich über all diese Wege gefreut. Ein Freund von mir fragte explizit nach Fotos von seinem gerade verstorbenen Pferd. Daraus entstand ein ganz langer Kommentarstrang auf Facebook, der viele Etappen dieses Pferdelebens widerspiegelte. Das war sehr schön. Ich fand meinerseits: Es tat gut zu hören, was andere an meinem Pferd mochten oder über welche Begebenheit sie noch heute schmunzeln müssen.
  1. Nachfragen! Wenn man sich nicht sicher ist, ob derjenige auf sein totes Tier angesprochen werden will oder nicht, fragt die Leute selbst! Das trauen sich die Wenigsten, aber es ist angebracht. Manche möchten nichts darüber hören, anderen tut es gut, zu sprechen. Ich fand es sehr gut, per SMS oder Chat auf Distanz regeln zu können, mit wem ich darüber spreche und mit wem nicht.
  1. Abstand halten akzeptieren. Zu Zeiten, als es noch keine Handys gab, hat eine Stallkollegin mal einen Zettel direkt nach dem Tod des Pferdes aufgehängt. Darauf stand, dass sie nicht auf das Pferd angesprochen werden möchte. Auch eine Möglichkeit.

  2. Übrigens kann man mit traurigen Menschen durchaus über andere Sachen sprechen. Ich fand es angenehm, wenn mich jemand irgendwas zu seinem Pferd oder einem Sattel fragte oder einfach über das Wetter quatschte und mich so mit einbezog. Das war viel besser, als schweigend um mich herum zu huschen, weil jeder wusste, was Schlimmes passiert war und wohl dachte, es wäre besonders anständig, in Schweigen zu verfallen, wenn ich auftauchte.

  3. „Was man sagt oder tut, muss von Herzen kommen“, das sei die Grundregel für jede Reaktion nach einem Tod, sagte letztens eine Bestatterin in einem Interview, das ich im Radio hörte (sie hatte sich auf junge Menschen spezialisiert). Ich finde, das kann man genau so auch auf Pferde und deren Besitzer beziehen.

 

*************

Einmal die Woche gibt's hier im pferdia-Magazin einen Artikel aus dem Blog www.alifewithhorses.de. Hier spreche ich, Jeannette, über Motivation & Gedanken zu den Pferden, zum Reiten und zum Drumherum. 

 

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