Frage an Ingrid Klimke: Wie treibe ich korrekt?

von Jeannette Aretz

Datum: 16.12.2015


Ingrid Klimke  pferdiathek

Ingrid Klimke mit dem Trakehner Hengst Königssee.                                                                                     Alle Fotos: Inge Vogel

 

Zeit für eine neue Folge von Ingrid Klimkes Videonachrichten!

Wie immer gilt: Die Olympiasiegerin beantwortet eine Frage unserer Zuschauer.

 

Dieses Mal geht es um etwas ganz Grundsätzliches, das jedoch häufig falsch verstanden wird. Triebige Pferde gibt es nämlich so gut wie nicht, wenn von Anfang an der Schenkeleinsatz korrekt gehandhabt wird. Die Reitmeisterin erklärt, wie es geht: 

 

„Wie treibe ich korrekt?"

 

 

 

Die Kernaussagen:

  1. Schon zu Beginn soll das Pferd von alleine fleißigen Mittelschritt gehen.
  2. Flache Wade anlegen, das ist die Frage: „Bisschen flotter bitte?!"
  3. Legt der Reiter die flache Wade an, soll sofort eine Reaktion vom Pferd kommen.
  4. Reagiert das Pferd nicht, impulsartig verstärken mit flacher Wade oder mit der Gerte hinter dem Schenkel antippen. Das Pferd soll wissen: „Es gibt eine Verstärkung."
  5. Alternative zur Gerte: Kurze stumpfe Sporen 
  6. Dabei das Pferd nicht verschrecken!
  7. Ist das Pferd fleißig: Nichts weiter tun mit dem Schenkel.
  8. Gewichtshilfe beim Treiben: Bauch und Rückenmuskulatur anspannen
  9. Das Pferd soll auf unsichtbare Hilfengebung reagieren, so fein soll es sein, erst dann ist es Kunst.

Was Ingrid Klimke hier erklärt, zeigt sie in der Umsetzung in ihren Lehrvideos. Besonders in den neuen Filmen ihrer jungen Stute Soma Bay gibt es immer wieder Momente, in denen Ingrid Klimke erklärt, weshalb sie hier kurz die Hilfe verstärken muss, wann die Stute gut auf den Schenkel reagiert, und wann nicht. Zwei für dieses Thema besonders empfehlenswerte Lehrfilme dazu heißen:  

 

-  Soma Bay Folge 3: Übergänge, Außengalopp, Kurzkehrt

sowie 

Soma Bay Folge 4:  Schritt-Galopp-Schritt Übergänge & Kurzkehrt

  

pferdia tv KlimkeSoma Bay von Vitalis x Real Diamond.
ferdia tv KlimkeEin Pferd mit ausgeglichenem Gemüt und bester Einstellung. 

 

Zu sehen ist jeweils eine Arbeitseinheit der tollen Stute, die in der vergangenen Saison gute Platzierungen in Dressurpferde- , Springpferde- und Reitpferdeprüfungen der Klasse A erzielte. Sie ist 2011 geboren und soll in dieser Wintersaison den Schritt von A nach L lernen. Soma Bay ist leichtrittig und reagiert grundsätzlich fein auf Schenkel- und Gewichtshilfen. Dass diese Feinheit aber auch Teil eines Lernprozesses und somit erritten ist, lernt der Zuschauer im Film.

 

Fein am Bein: das kann man erreiten

Die gezeigten Einheiten sind ungeschnitten - so sieht der Zuschauer auch, was noch nicht ganz ideal klappt und kann beobachten, was Ingrid Klimke tut, um der Stute noch mal auf andere Art und Weise zu erklären, was sie von ihr möchte. Besonders bei den für die Stute neuen Lektionen Kurzkehrt und Außengalopp ist das sehr spannend - so wird zum Beispiel die Lektion Kurzkehrt erarbeitet, indem Soma Bay zunächst nur ein Viertel der Wendung gehen soll, dann sofort fleißig geradeaus aus der Lektion heraus schreiten soll und Ingrid Klimke dies wiederholt, bis die Stute verstanden hat, worum es geht. Kommt sie mit dem Schenkel nicht ideal durch, dann erinnert sie Soma Bay im Übertreten daran, dass sie eine sofortige Reaktion haben möchte, wenn die Reiterin die flache Wade an den Pferdebauch anlegt. Klarheit, Eindeutigkeit und Fairness wird hier deutlich, genau diese Elemente sichern den Lernerfolg. Und gerade solche Lösungsideen sind so wichtig für das heimische Training! Immer ist die Idee bezüglich der Hilfengebung beim Treiben:

 

Sie soll schreiten, nicht ich jeden Tritt treiben, das ist ihr Job! - (Ingrid Klimke in Soma Bay Folge 3)

 

 

Ingrid Klimke  pferdiathekSchön fleißig voran. Wie genau Ingrid Klimke das in einer Einheit umsetzt, ist in den Filmen zu sehen.  Alle Fotos: Inge Vogel        

  

Keine Pause für den Reiter

Stellt die Reitmeisterin fest, dass sie zu stark treiben muss, dann verstärkt sie impulsartig einmal die treibenden Hilfen, um Soma Bay aufzufordern, wieder sehr fein auf jede Hilfe zu reagieren. Soma Bay wird stets mit der Stimme gelobt, wenn sie etwas gut umsetzte, häufig streicht Ingrid Klimke zudem noch mit der Hand vor. Um den Raumgriff des Schritts zu fördern, baut sie zum Beispiel Schrittcavaletti ins Training mit ein. Etwas, woran ein jeder Reiter daheim arbeiten kann, ist Ingrid Klimkes eigene Aufmerksamkeit zu jeder Minute der Trainingseinheit: Im Schritt gibt es für die Reiterin wenig gedankliche Pausen, sie achtet nach dem Übergang direkt darauf, dass die Stute stets fleißig und vor allem auch gleichmäßig voran schreitet. Dieses Ziel macht sie sich auch immer wieder selbst bewusst und kommentiert das folgendermaßen im Training: „Ich möchte, dass sie schön gleichmäßig geht, achte darauf ob sie von alleine geht oder ob ich treiben muss. Das ist gut so, wenn ich nicht treiben muss."

 

Viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren!

  

  

Das Pferd in positiver Spannung, FN-Verlag


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